Leinsaat: Kanada erwartet geringere Produktion

5. August 2026 um 15:16 , Der AUDITOR
Bericht als Audio abspielen

OTTAWA/BRÜSSEL. Eine kleinere Ernte in Kanada dürfte in der Saison 2026/2027 zu geringeren Exporten führen; die Gesamtbestände bleiben jedoch hoch und geben keinen Anlass zur Sorge. Kanada ist der mit Abstand wichtigste Leinsaatlieferant für die EU.

Markt bleibt von hohen Lagerbeständen geprägt

Die Preise für kanadische Leinsaat haben sich stabilisiert und liegen inzwischen weitgehend auf dem Niveau der neuen Ernte, wie die Experten von Rayglen Commodities berichten. Die Gebote bewegen sich überwiegend zwischen 15,00 und 16,00 CAD/bu, Käufer sind jedoch zunehmend schwer zu finden, da viele ihren kurzfristigen Bedarf bereits gedeckt haben. Für saubere, mahlfähige Qualitäten sind je nach Standort und Qualität weiterhin Preise von bis zu 17,00 CAD/bu möglich.

Trockenheit gilt in diesem Jahr in Kanada derzeit nicht als zentrales Risiko, im Gegensatz zu einigen europäischen Anbaugebieten. Belastend wirken dagegen weiterhin die hohen Lagerbestände in China, die den höchsten Stand seit 2023 erreicht haben. Auch in der Europäischen Union sind die Bestände gestiegen und dämpfen die Nachfrage. In Frankreich könnten Phasen extremer Hitze die Produktion beeinträchtigen, auch wenn sich dies bislang noch nicht vollständig in den aktuellen Ernteschätzungen widerspiegelt, so Rayglen Commodities.

Geringeres Angebot in der Saison 2026/27

Für die 2025/2026 wird das kanadische Gesamtangebot von Agriculture and Agri-Food Canada auf 599.000 mt geschätzt – der höchste Stand seit fünf Jahren. Ausschlaggebend dafür waren eine größere Anbaufläche und Rekorderträge. Der Inlandsverbrauch wird auf 89.000 mt veranschlagt und liegt damit zwar 24% über dem Vorjahr, jedoch unter dem Fünfjahresdurchschnitt von 108.000 mt. Die Exporte wurden laut Statistics Canada auf 280.000 mt angehoben. Die Endbestände sollen auf 230.000 mt steigen und damit ebenfalls deutlich über dem Durchschnitt der vergangenen Jahre liegen. Die durchschnittliche Preisprognose wurde trotz des höheren Angebots auf 620 CAD/mt angehoben.

Für 2026/27 schätzt Statistics Canada die Anbaufläche auf 263.000 ha. Alberta verzeichnete den stärksten Flächenzuwachs (+78%), während die Aussaat in Saskatchewan mit 217.000 ha nahezu unverändert blieb und Manitoba seine Fläche auf 10.000 ha verringerte (-29%). Aufgrund der gegenüber der früheren Schätzung von 305.000 ha geringeren Anbaufläche wurde die Produktionsprognose auf 350.000 mt gesenkt. Trotz höherer Anfangsbestände dürfte das Gesamtangebot gegenüber dem Vorjahr leicht zurückgehen.

Der kanadische Inlandsverbrauch soll auf 105.000 mt steigen und damit den Fünfjahresdurchschnitt erreichen. Die Exporte werden mit 275.000 mt leicht unter dem Vorjahreswert erwartet, lägen aber weiterhin 20% über dem Durchschnitt. Die Endbestände könnten um 9% auf 210.000 mt sinken, würden jedoch historisch betrachtet auf einem hohen Niveau bleiben. Die durchschnittliche Preisprognose wurde auf 625 CAD/mt angehoben, das wären 5 CAD/mt mehr als im Vorjahr.

Leinsaat, Kanada

2024/25

2025/26

Diff.

2025/26

2026/27

Diff.

Bestellt (ha)

204.000

251.000

23,0%

251.000

263.000

4,8%

Abgeerntet (ha)

201.000

249.000

23,9%

249.000

259.000

4,0%

Ertrag (mt/ha)

1,28

1,82

42,2%

1,82

1,35

-25,8%

Produktion (mt)

258.000

454.000

76,0%

454.000

350.000

-22,9%

Importe (mt)

8.000

10.000

25,0%

10.000

10.000

0,0%

Gesamtbestände (mt)

431.000

599.000

39,0%

599.000

590.000

-1,5%

Exporte (mt)

228.000

280.000

22,8%

280.000

275.000

-1,8%

Inlandsverbrauch (mt)

69.000

89.000

29,0%

89.000

105.000

18,0%

Überhangbestände (mt)

134.000

230.000

71,6%

230.000

210.000

-8,7%

Ø Preis in CAD/mt

630

620

-1,6%

620

625

0,8%

Quelle: Agriculture and Agri-Food Canada

EU-Importe gestiegen

Die EU-Leinsaatimporte lagen im Zeitraum 01.07.-26.07.2026 bei 44.264 mt und damit knapp 10% über denen des Vorjahreszeitraums. Wichtigster Lieferant war mit 26.293 mt und einer Steigerung von satten 121% Kanada, während Kasachstan auf Platz 2 (-27,1% auf 15.433 mt) und die Ukraine auf Platz 3 (-29,3% auf 736 mt) deutliche Verluste einstecken mussten.

Der größte Abnehmer innerhalb der EU war mit 38.460 mt und einer Steigerung von mehr als 50% Belgien, gefolgt von Italien (+309,5% auf 987 mt) und Frankreich (+15,6% auf 962 mt). Mit 0,58 EUR/kg lag der durchschnittliche Importpreis im genannten Zeitraum um 9,4% unter den 0,64 EUR/kg des Vorjahres, sodass sich der Importwert auf gut 25,754 Mio. EUR beläuft. Braune Leinsaat aus Osteuropa wird auf dem europäischen Spotmarkt derzeit unverändert zur Vorwoche mit 0,79 EUR/kg DDP Deutschland gehandelt.

EU-Import Leinsaat in mt

Partner

2025

2026

Diff.

Kanada

11.881

26.293

121,3%

Kasachstan

21.170

15.433

-27,1%

Ukraine

1.041

736

-29,3%

Großbritannien

368

603

63,9%

Indien

559

601

7,5%

Türkei

49

500

920,4%

USA

20

39

95,0%

China

28

30

7,1%

Russland

5.044

22

-99,6%

Paraguay

-

6

n.v.

Andere

121

1

-99,2%

Gesamt

40.281

44.264

9,9%

Quelle: DG AGRI TAXUD Customs Surveillance System, 01.07.-26.07.

12040090 Leinsamen, auch geschrotet

Für mehr Informationen gehen Sie zu:
Preischart für Leinsaat, braun, 99.9% Reinheit, Osteuropa
weitere Preischarts

Angehängte Dateien

Dateisymbol
Preischart Leinsaat, braun, Osteuropa

Dies könnte Sie ebenfalls interessieren

zur Nachrichten-Übersicht
Bio-Rohstoffe
05.08.2026
VANCOUVER. In Südamerika herrschen derzeit regnerische Wetterbedingungen. Die Preise entsprechen nicht ganz den Erwartungen.
Ölsaaten
05.08.2026
SOFIA/DALIAN. Nach einer Aufwärtskorrektur im Juni hat die Europäische Kommission ihre Schätzungen für die EU-Sonnenblumenkernernte nun wieder gesenkt. In China stehen die Preise unter Druck – hier wird sich vor allem das Wetter als entscheidend herausstellen.
Ölsaaten
03.08.2026
DALIAN. Das knappe Angebot stützt den Markt für chinesische Kürbiskerne. Die neue Ernte ist noch nicht verfügbar, während die Nachfrage in der Sommerpause verhalten bleibt.