Landwirte im Kampf gegen das Insektensterben
10. September 2020 um 08:26 ,
Der AUDITOR
In Niedersachsen summt es verstärkt
Immer mehr Landwirte verstehen, dass der Insektenrückgang zumindest zu einem Teil auch der Landwirtschaft und dem exzessiven Einsatz von Pestiziden geschuldet ist, und versuchen dem auf unterschiedliche Weisen entgegenzuwirken. So haben es mittlerweile mehr als 400 landwirtschaftliche Betriebe in Niedersachsen geschafft, das Prädikat „bienenfreundlich“ zu erhalten. Gemeinsam mit dem Bieneninstitut Celle wurden dafür insektenfreundliche Konzepte für Hof, Acker- und Grünlandflächen sowie für Imkerkooperationen erarbeitet. Dazu zählen beispielsweise Staudengärten, Blühflächen, Unkrautecken, Altholz- und Steinhaufen oder Platz für Bienenstöcke.
Hessen überzeugt mit Blüh-Patenschaften
In Seligenstadt in Hessen wird die gesamte Bevölkerung mit einbezogen. Dort bietet ein Landwirt sogenannte „Blüh-Patenschaften“ an – 10 Quadratmeter Fläche kosten 19 Euro und die Blüh-Paten ersetzen damit den Ertragsausfall des Bauern für ein Jahr. Er selbst verdoppelt die Fläche, die für die Insekten zur Verfügung steht, noch einmal; damit konnte bereits eine Blühfläche von rund fünf Hektar für die Insekten zur Verfügung gestellt werden, der Landwirt ist finanziell abgesichert und die Bürger können sich mit eigenen Augen davon überzeugen, wie ihr Geld angelegt wird. Knapp 200 Menschen haben sich an dem Projekt bisher beteiligt.
Im Rheinland hatte indes ein Obstbauer die Idee, zwischen seinen Baumreihen Blühstreifen anzulegen. Dadurch haben sich dort bereits mehr als 35 verschiedene Wildbienenarten angesiedelt, die nun ihrerseits dabei helfen, die Bio-Obstbäume zu bestäuben. Die Pflege der neuen Lebensräume hat er mittlerweile ganz selbstverständlich in den Betriebsablauf integriert.
Unterstützung ist gefragt
Das alles sind nur Beispiele, die bezeugen, dass auch kleine Veränderungen eine große Wirkung haben können. Aktuelle Studien zum Insektensterben in Deutschland belegen, dass die Insektenvielfalt in den letzten 25 Jahren um mehr als 75% zurückgegangen ist. Das Bundesamt für Naturschutz hatte in seinem Agrar-Report bereits darauf hingewiesen, dass die Artenvielfalt in der Agrarlandschaft im Vergleich zu anderen regelmäßig bewerteten Lebensräumen am stärksten rückläufig ist. Umso erfreulicher sind die Maßnahmen, die nun immer mehr Landwirte ergreifen, um dem auf andere Art entgegenzuwirken – das sind definitiv Schritte in die richtige Richtung. Dabei bleibt zu hoffen, dass auch die staatliche Unterstützung ausgebaut wird, um beispielsweise Ertragsausfällen entgegenzuwirken. Der Deutsche Bauernverband bemängelt, dass es den Landwirten durch bürokratische Hindernisse wie viel zu komplizierte Antrags- und Kontrollverfahren weiterhin zu schwer gemacht wird. Finanzielle Hilfe und einfache Verfahren zur Maßnahmenergreifung sind hier gefordert und sollten auch in Corona-Zeiten nicht vergessen werden.