Kakao: Schleckermäuler geben den Ton an

6. April 2017 um 11:06 , Der AUDITOR
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LONDON. Deutschland ist ungeschlagener Spitzenreiter was den Schokoladenkonsum betrifft. Die stagnierende Nachfrage in den traditionellen Absatzmärkten, exzellente Produktionsaussichten drücken weiterhin auf die Kakao-Preise. Doch Experten sehen diese Entwicklung skeptisch.

Saftiges Produktionsüberschuss erwartet

Die Internationale Cocoa Organization (ICCO) rechnet für die Saison 2016/27 mit einem satten Produktionsüberschuss von etwa 264,000 mt. Demnach wird die weltweite Produktion um 15% auf 4,55 Mio. mt zulegen und die Bestände zum Ende der Saison von 1,40 Mio. mt auf 1,66 Mio. mt anwachsen. Grund sich vor allem die Produktionsaussichten in der Côte d’Ivoire und Ghana. Die ICCO rechnet aktuell mit Ernten von 1,9 Mio. mt und 850.000 mt für beide Länder. Kein Wunder also, dass das internationale Preisniveau weiterhin niedrig ist. Kakaobohnen notieren etwa an der CBoT so niedrig wie seit fünf Jahren nicht mehr.

Drastische Preissenkungen in Côte d’Ivoire und Ghana

Obwohl die Ernte in der Côte d’Ivoire nur langsam gestartet ist, standen Mitte März bereits 1,35 Mio. mt zum Export bereit. Letztes Jahr waren es dagegen gerade mal 1,26 Mio. mt. In Ghana waren die letzten Daten allerdings rückläufig. Ende Februar stand gerade mal 657.000 mt Ware bereit, während im Vorjahr mit 661.000 mt deutlich mehr Ware zur Verfügung stand. Dies werten Experten allerdings keineswegs negativ.

Das niedrige internationale Preisniveau und die Produktionserwartungen stellen beide Länder vor große Herausforderungen. Côte d’Ivoire hat prompt mit einer Senkung der Rohwarenpreise reagiert und auch die Landwirte in Ghana werden sich wohl bald mit niedrigeren Preisen anfreunden müssen. Es gilt Produktionssteigerungen zu verhindern und gleichzeitig die Industrie vor Ort so zu stützen, dass sie die nötigen Investitionen erhält.

Die Wende kommt

Analysten bezweifeln, dass das niedrige Preisniveau anhalten wird. Denn, die Nachfrage nach Schokolade in den Schwellenländern wächst rasant. Angesichts der Tatsache, dass der durchschnittliche Pro-Kopf-Verbrauch für Schokolade in China und Indien bei gerade mal 0,1 kg/Jahr liegt gibt es viel Luft nach oben. Vor allem wenn bedacht wird, dass der Konsum in Deutschland bei 9,47 kg/Jahr und in der Schweiz bei 9,20 kg/Jahr liegt.

Schokoladenverkäufe 2010-15

Land

Zuwachs

Indien

17,2%

Venezuela

17,2%

Algerien

11,9%

Ver. Arab. Em.

11,6%

Saudi-Arabien

11,5%

Quelle: Euromonitor, Moody‘s

 

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