HDE warnt vor zunehmender Insolvenzgefahr beim Handel

12. Januar 2021 um 15:47 , Der AUDITOR
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BERLIN. Das Jahr 2021 könnte für viele vom Lockdown betroffenen Handelsunternehmen in der Insolvenz enden. Für rund 80 % der betroffenen Einzelhändler reichen die derzeitigen Hilfsmaßnahmen des Staates nicht zur Existenzsicherung aus, warnt der Handelsverband (HDE).

Bei der Trendumfrage des Handelsverbandes (HDE) unter 1.500 vom Lockdown betroffenen Textil-, Schmuck-, Spielwaren- und Sportartikelhändlern gaben 23 % der Befragten an, ihr Geschäft ohne weitere staatliche Hilfen bereits im ersten Halbjahr aufgeben zu müssen. Weitere 28 % rechneten ohne zusätzliche Unterstützung mit einem Aus im zweiten Halbjahr. Besonders prekäre ist die Lage in Innenstädten. Dort befürchteten 58 % der Händler, ihr Geschäft noch in diesem Jahr schließen zu müssen.

Staatliche Hilfen decken nicht einmal Fixkosten
Der Umfrage zufolge haben 71 % der Unternehmen seit Krisenbeginn staatliche Unterstützung erhalten. Rund 23 % haben derzeit staatliche Hilfen beantragt, 69 % planen, einen Antrag auf Überbrückungshilfe zu stellen. Jedoch 79 % der Händler gehen davon aus, dass derzeitige Hilfsmaßnahmen nicht zur Existenzsicherung ausreichen werden. Für den Handel stehe die schnelle Eindämmung der Pandemie an erster Stelle. Wenn die Politik dazu aber den Non-Food-Handel schließt, dann muss sie auch die entstehenden wirtschaftlichen Schäden abfedern, hieß es. Der Einzelhandel erhielt im letzten Jahr 2020 Überbrückungshilfen in Höhe von 90 Mio. EUR. Der vom Lockdown betroffene Nonfood-Handel aber verzeichnete im selbigen Zeitraum 36 Mrd. EUR Umsatzminus durch die Pandemie und damit verbundener Schließungen. Die staatlichen Hilfen reichten nicht einmal annähernd zur Begleichung der Fixkosten aus. Der HDE drängt deshalb auf Nachbesserungen der Politik, insbesondere vom Bundesfinanzministerium. „Wenn Minister Scholz die in Aussicht gestellten Überbrückungshilfen jetzt schnell überarbeitet und die Beantragungskriterien besser an die Lage des Einzelhandels anpasst, dann gibt es noch eine Chance, das Schlimmste zu verhindern“, sagte HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth.

Click-&-Collect-Angebote bringen bisher nicht die Umsätze
Um im Lockdown zu überleben, setzt der Handel verstärkt auf alternative Vertriebswege wie Online-Marktplätze, Lieferservices oder Click & Collect-Angebote, bei denen Kunden online Waren reservieren, dann im Laden abholen. Auch neue Kommunikationskanäle wie Social Media werden dabei genutzt. Mehr als ein Drittel der Händler habe sich seit der Corona-Krise neue Verkaufs- und Kommunikationswege erschlossen, so der HDE. Jedoch könne dies den Ausfall des regulären Geschäftsbetriebs nicht kompensieren. So komme der weitaus größte Anteil der Unternehmen, die Click-&-Collect-Angebote praktizieren, lediglich auf Umsätze zwischen 1 und 5 % des normalen Volumens. Für die Nutzung von Click & Collect und den Einkauf im Lebensmitteleinzelhandel drängt der HDE darauf, Ausnahmen bei den Mobilitätsbeschränkungen in Hotspots festzulegen. Ansonsten nehme man vielen geschlossenen Händlern eine der letzten Möglichkeiten, wenigstens noch einigen Umsatz zu erzielen. Zudem werde dem Lebensmittelhandel damit die Versorgung der Bevölkerung unnötig erschwert.

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