Handel sieht tiefrot

11. Dezember 2020 um 10:56 , Der AUDITOR
Bericht als Audio abspielen

BERLIN/FRANKFURT. Der Handel kann die Umsatzausfälle nicht mehr aus eigener Kraft stemmen und fordert im Falle eines Lockdowns mit Geschäftsschließungen ausreichend staatliche Hilfen von der Regierung.

Mit Blick auf die diskutierten und in einigen Bundesländern bereits angeordneten Geschäftsschließungen fordert der Handelsverband Deutschland (HDE) staatliche Hilfsprogramme für den betroffenen Einzelhandel. Gerade im Weihnachtsgeschäft würden viele Unternehmen den Umsatzausfall wirtschaftlich nicht mehr überleben. Insgesamt sieht der HDE Ladenschließungen im Rahmen der Pandemiebekämpfung als nicht verhältnismäßig an.

Handel ist kein Infektionshotspot
„Der Handel ist kein Infektionshotspot. Die Branche hat in den vergangenen Wochen und Monaten deutlich bewiesen, dass sicheres Einkaufen unter Einhaltung aller Hygiene- und Abstandsvorschriften auch in Zeiten der Pandemie möglich ist“, so HDE-Präsident Josef Sanktjohanser. Ein Beweis dafür ist das unterdurchschnittliche Infektionsgeschehen bei den Mitarbeitern im Einzelhandel. Ladenschließungen sind deshalb aus Sicht des HDE kein verhältnismäßiges Mittel zur Corona-Eindämmung.

Handel verliert Umsatzausfälle von bis zu einer Milliarde Euro pro Tag
Dazu kommen die wirtschaftlichen Auswirkungen eines Lockdowns mit geschlossenen Ladentüren. Ein erneuter Lockdown des Non Food-Handels hätte fatale Folgen für die Überlebensfähigkeit vieler kleiner und mittelständischer Handelsunternehmen. „In der Folge würden der Wirtschaftsstandort und der Kulturraum Innenstadt enorm leiden und tausende Arbeitsplätze gefährdet“, so der HDE-Präsident weiter. In der umsatzstarken Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr würden so Umsatzausfälle von bis zu einer Milliarde Euro pro Tag auflaufen, in der Zeit danach würden dem Non-Food-Handel dann täglich bis zu 800 Millionen Euro verloren gehen.

Staatliche Hilfsprogramme gefordert
Der HDE fordert deshalb für den Fall eines Lockdowns staatliche Hilfsprogramme, auch unter Gleichbehandlungsgesichtspunkten. „Von Schließungen betroffene Unternehmen müssen für den entsprechenden Zeitraum entschädigt werden“, so Sanktjohanser. Für den Monat Dezember sollten dabei dieselben Konditionen wie für die Gastronomie gelten. Werden die Geschäftsschließungen im kommenden Jahr fortgesetzt, muss es weiterhin Hilfsprogramme geben. Dabei sollten zwingend kurzfristige Abschlagszahlungen erfolgen, da bereits jetzt viele Handelsbetriebe auf einem Umsatzniveau deutlich unterhalb von 50 % des Vorjahresniveaus verharren. Die Liquiditätslage im Einzelhandel ist laut HDE bei vielen Betrieben sehr angespannt. Kundenfrequenzen und Umsätze liegen vor allem in den Innenstädten bereits seit Wochen weit unter Vorjahresniveau.

 

Dies könnte Sie ebenfalls interessieren

zur Nachrichten-Übersicht
Ankündigungen und Verordnungen
08.07.2026
BRÜSSEL. Auf der Grundlage der neuesten Marktgrundlagen, Daten und Erkenntnisse hat die Generaldirektion Landwirtschaft und ländliche Entwicklung (GD Agri) der Europäischen Kommission einen umfassenden Ausblick erstellt, der Getreide, Ölsaaten und Zucker sowie Olivenöl, Milch und Milchprodukte sowie Fleischprodukte abdeckt.
Nüsse
06.07.2026
BRÜSSEL. Für ausgewählte Trockenfrüchte, die aus den USA in die EU importiert werden, gilt nun ein Zollsatz von 0%, ebenso wie ein zollfreies Kontingent für US-Baumnüsse. Welche Auswirkungen wird dies haben? Den offiziellen Importstatistiken nach zu urteilen, ist die Antwort klar: Es wird sich nicht viel ändern.
Nüsse
12.05.2026
BRÜSSEL. Nachdem die Ausgaben im vergangenen Jahr stark angestiegen waren, hat sich das Blatt bei den EU-Nussimporten im ersten Quartal 2026 gewendet. Mit etwas mehr als 2 Mio. EUR liegt der Gesamtwert der Ausgaben um fast 2% unter dem des ersten Quartals 2025.
Nüsse
30.04.2026
TEHERAN. Vor dem Krieg und dem darauffolgenden Beginn der Blockade waren die Exporteure im Iran stark auf die Straße von Hormus angewiesen. Der Transport stützt sich nun auf ein alternatives Netz aus Häfen und Grenzübergängen. Hinzu kommt, dass die fast vollständige Abschaltung des Internets den Handel weitgehend lahmgelegt hat.