Hülsenfrüchte

Getrocknete Linsen: EU will unabhängiger werden

29. März 2023 um 12:25 , Der AUDITOR
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OTTAWA/MADRID. In Europa soll der Anbau von Hülsenfrüchten, unter anderem Linsen, deutlich ausgebaut werden, und viele Länder treffen hierfür bereits entsprechende Vorkehrungen. Im Moment ist die EU noch stark abhängig von Linsenimporten, die zum großen Teil aus der Türkei und Kanada stammen.

Ernteausfälle durch Dürre

Die Linsenproduktion ist in Europa auf dem Vormarsch, wie unter anderem die Experten von Chelmer Foods berichten. Lag die Produktion im Jahr 2017 noch bei 75.000 mt, waren es 2021 bereits 116.000 mt. Spanien und Frankreich sind dabei die wichtigsten Produktionsländer. Zwar war die Anbaufläche im Jahr 2022 ähnlich groß wie im Vorjahr, durch die große Dürre in den Anbauländern kam es allerdings zu massiven Ernteausfällen; Chelmer Foods spricht hier von einem Rückgang in Höhe von 30-50%. Europa ist zudem auf hohe Linsenimporte angewiesen, von denen der größte Teil aus der Türkei und Nordamerika stammt. Der größte europäische Importeur ist dabei Spanien, das zwischen 2017 und 2021 jährlich mehr als 50.000 mt Linsen einführte. Die durchschnittlichen jährlichen Gesamtimporte Europas liegen bei 230.000 mt.

Mehr Unabhängigkeit in Europa

In den kommenden Jahren soll die Hülsenfruchtproduktion in Europa weiter gesteigert werden, um weniger abhängig von anderen Ländern zu sein. Die wichtigste politische Triebkraft für diesen Wandel ist die "Farm to Fork"-Strategie, die das Herzstück des europäischen "Green Deal" bildet und darauf abzielt, die Erzeugung von Hülsenfrüchten bis 2030 zu steigern und die Einfuhren von außerhalb der EU zu begrenzen. Chelmer Foods gibt an, dass Polen bereits eine neue Verordnung bezüglich des Anbaus von Hülsenfrüchten erlassen hat und die Landwirte hier verstärkt geschult werden sollen. Ähnliches geschieht mit dem Programm EPPIC (Economically-Powered Plant Transition through Innovation In Chains) in den Niederlanden, und auch Frankreich schmiedet Pläne in diese Richtung.

Deutsche Importe sind stabil

Die deutschen Linsenimporte lagen im Zeitraum September 2022 bis Januar 2023 bei 14.290 mt und damit moderate 2,8% unter den Einfuhren des entsprechenden Vorjahreszeitraums. Der wichtigste Lieferant bleibt dabei die Türkei mit 4.440 mt, Kanada belegt mit 4.429 mt allerdings einen sehr knappen zweiten Platz. Die Importe aus den USA gingen im genannten Zeitraum um 24,6% zurück, und auch Kasachstan lieferte 28,1% weniger Linsen nach Deutschland. Die Niederlande und Indien konnten ihre Lieferungen dagegen deutlich steigern. Die Preise für getrocknete schwarze Linsen liegen auf dem europäischen Spotmarkt aktuell bei 1,38 USD/kg CFR Hamburg.

Import Linsen* nach Deutschland in mt

Land

2021/22

2022/23

Diff.

Türkei

4.261

4.440

4,2%

Kanada

3.878

4.429

14,2%

USA

2.663

2.007

-24,6%

Russland

868

775

-10,7%

Niederlande

670

760

13,4%

Kasachstan

615

442

-28,1%

Italien

347

347

0,0%

Belgien

349

275

-21,2%

Tschechien

321

273

-15,0%

Indien

179

268

49,7%

Andere

545

274

-49,7%

Gesamt

14.696

14.290

-2,8%

Quelle: Statistisches Bundesamt / Sep-Jan

*07134000 Linsen, getrocknet und ausgelöst, auch geschält oder zerkleinert

Höhere Erträge in Kanada

In Kanada liegt die Anbaufläche für die Saison 2023/24 mit 1,73 Mio. ha knapp unter den 1,749 Mio. ha des Vorjahres. Dies dürfte allerdings durch die höheren Erträge wieder wettgemacht werden, die in diesem Jahr auf 1,55 mt/ha geschätzt werden (2022: 1,34 mt/ha). Die Gesamtproduktion für 2022/23 beläuft sich Agriculture and Agri-Food Canada zufolge auf geschätzte 2,3 Mio. mt und könnte für die kommende Saison auf 2,65 Mio. mt steigen. Die kanadischen Exporte werden für die laufende Saison auf 2,3 Mio. mt geschätzt, wobei Indien, die Türkei und die Vereinten Arabischen Emirate aktuell die wichtigsten Exportziele sind.  

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