Getreide: Libanons Weizenbestände gehen durch gewaltige Explosion in Beirut verloren

5. August 2020 um 15:30 , Der AUDITOR
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FRANKFURT/TEL AVIV. Zwei gewaltige Explosionen zerstörten gestern den Hafen der libanesischen Hauptstadt Beirut. Große Getreide-Silos kamen dabei zu Schaden. Der Libanon ist fast ausschließlich auf Weizenimporte angewiesen. Hilfsprogramme sind angelaufen.

Libanon muss Weizen importieren
Bei einer gewaltigen Explosion am Dienstag in Hafenlagern in der Nähe des Zentrums der libanesischen Hauptstadt Beirut wurden mehr als 100 Menschen getötet, fast 4.000 verletzt. Zwei gewaltige Druckwellen zerstörten Beiruts Hafen nahezu komplett. Über den Hafen gehen 75 % aller Waren des Landes, damit gerät die Versorgung des Landes ernsthaft in Gefahr. Im Libanon droht nicht nur eine wirtschaftliche Katastrophe, sondern Hunger, hieß es. Denn große Getreide-Silos im Hafen Beiruts, wo rund 85 % des Getreidebedarfs des Landes gelagert worden sind, sind verloren. Libanons Wirtschaftsminister, Raoul Nehme, teilte mit, dass der Weizen in Beiruts Hafen-Getreidespeichern nicht mehr verwendet werden könnte. Die libanesische Regierung stellte klar, dass das Land noch über genügend Weizen verfüge, bis sie mit dem Import von Weizen beginnen werde. Laut US-Handel verbraucht der Libanon jährlich mindestens 1,35 Mio. mt Weizen, wovon 1,2 Mio. mt importiert werden müssen. Der Libanon erlebt derzeit eine der schwersten Wirtschaftskrisen. Fast die Hälfte der Bevölkerung lebt unter der Armutsgrenze. Israel, viele andere Länder und auch Deutschland haben Hilfe angeboten.

2.750 mt Ammoniumnitrat verwüsten Beiruts Hafen
Ausgelöst wurde die Detonation durch große Düngemittellagerbestände in einem Hafenlager. Der libanesische Präsident Michel Aoun wurde mit den Worten zitiert, es sei „inakzeptabel“, dass 2.750 mt leicht entzündliches Ammoniumnitrat sechs Jahre lang im Hafen gelagert worden seien, angeblich ohne Sicherheitsmaßnahmen. Offenbar stammt das Ammoniumnitrat von einem Frachtschiff aus Bosnien, dem wegen Mängeln die Weiterfahrt untersagt wurde und die Chemikalie beschlagnahmt wurde. Laut Gouverneur Abbud wurde 2014 in einem Bericht vor einer möglichen Explosion gewarnt. Über den Grund der Entzündung gab es noch keine Hinweise, eine Untersuchungskommission soll dies klären. Ammoniumnitrat ist ein Salz aus Ammoniak und Salpetersäure, dass sowohl zur Düngerherstellung als auch zur Produktion von Sprengstoff, etwa ANC und Donarit, verwendet wird. In der EU gelten strenge Vorschriften für die Lagerung des Stoffes. Zum Vergleich: Der Terroranschlag in den USA, bei dem 1995 in Oklahoma City über 165 Menschen ums Leben kamen, wurde mit etwa 2 mt Ammoniumnitrat in Mischung mit Kraftstoff durchgeführt, hieß es.

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