Geteiltes Echo bei Ostsee-Fangquoten
21. Oktober 2020 um 12:19 ,
Der AUDITOR
Deutsche Ostsee-Fischer dürfen im kommenden Jahr deutlich weniger Hering fangen. Dabei waren beim westlichen Hering auf Basis der wissenschaftlichen Empfehlungen weitere Kürzungen bei diesem Bestand erforderlich. Heringe sollen in der westlichen Ostsee 2021 nur noch halb so viele gefangen werden wie in diesem Jahr, in der mittleren Ostsee 36 % weniger. Nur im Rigaischen Meerbusen soll 15 % mehr Hering gefischt werden dürfen, im Bottnischen Meerbusen genauso viel wie 2020. Beim Wiederaufbau des westlichen Herings werde entscheidend sein, ob es in den kommenden Verhandlungen mit Norwegen gelinge, die Fangquoten für das Gebiet Skagerrak/Kattegat, in denen dieser Bestand ebenfalls vorkommt, entsprechende Kürzungen durchzusetzen, heißt es in der Erklärung.
Weniger Hering, mehr Dorsch
Beim östlichen Dorsch bleibt es dabei, dass dieser Bestand wie bisher nicht gezielt befischt werden darf. Beim westlichen Dorsch wurde eine leichte Steigerung der Fangquote von fünf Prozent durchgesetzt. Dorsch-Freizeitfischer sollen weiterhin fünf Exemplare am Tag aus dem Wasser ziehen dürfen. In der Schonzeit von Mitte Mai bis Mitte August sollen es jedoch nur zwei Dorsche sein. Ein leichtes Plus gibt es im kommenden Jahr bei der Fangquote für die Scholle von plus 5 % und die Sprotte von plus 6 %.
Fischbestände müssen sich erholen,
„Die Fischbestände müssen sich erholen. Zu hohe Quoten würden die Fischbestände bedrohen. Gleichzeitig ist es wichtig, auf Grundlage der wissenschaftlichen Daten eine nachhaltige Bewirtschaftung zu ermöglichen“, sagte Julia Klöckner, Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft. Die neuen Fangquoten seien dafür der gemeinsame Nenner.
Abwrack-Prämie für Fischereifahrzeuge
Wo Fischerei aufgrund des schlechten Zustands der Bestände dauerhaft nicht mehr möglich sei, wolle die EU die Stilllegung von Fischereifahrzeugen fördern und Fischern eine neue Perspektive bieten, hieß es. Ostseefischer warnten zuvor die EU-Agrarminister davor, die erlaubten Fangmengen wie von der EU-Kommission empfohlen zu senken. „Die drakonischen Fangbeschränkungen für Dorsch und Hering würden die Zerstörung der in der Ostsee operierenden Fischereiflotten bedeuten“, teilte der Deutsche Fischerei-Verband mit. Wissenschaftler raten jedoch, überhaupt keine Dorsche und Heringe mehr in der westlichen Ostsee zu fangen. Nach Jahrzehnten der Überfischung seien die Bestände in der westlichen Ostsee so klein, dass sie während der Laichzeit nicht mehr ihr gesamtes Laichgebiet mit Eiern versorgen könnten. Beim Hering liegt der Nachwuchs seit 2005 weit unter dem Mittel der Vorjahre und nimmt weiter ab. Der Dorsch habe in vier der letzten fünf Jahre keinen oder fast keinen Nachwuchs gehabt, erklärt das Geomar Helmholtz Zentrum für Ozeanforschung in Kiel.