Eskalation im Handelskrieg belastet auch US-Sojamarkt

24. Juli 2020 um 07:40 , Der AUDITOR
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WASHINGTON. Der Handelskonflikt zwischen den USA und China spitzt sich zu. Konsulate werden geschlossen. Das Verhältnis zu den USA ist aus chinesischer Sicht so schlecht, wie seit Aufnahme der diplomatischen Beziehungen 1979 nicht mehr. Lesen Sie mehr dazu in unserer Sondermeldung.

Der Konflikt zwischen den USA und China verschärft sich. Das US-Außenministerium ordnete am Dienstag die Schließung der chinesischen Vertretung in Houston an. Die Schließung sei erforderlich, „um amerikanisches geistiges Eigentum und private amerikanische Informationen zu schützen", teilte eine Sprecherin des Außenministeriums mit. Den Diplomaten wurden nur 72 Stunden gegeben, die USA zu verlassen. Die Entscheidung verschärft die Spannungen zwischen den beiden größten Volkswirtschaften, die schon wegen Chinas Umgang mit dem Ausbruch der Corona-Pandemie, der Handelspolitik und dem harten chinesischen Vorgehen in Hongkong und in Xinjiang im Streit liegen. Das Verhältnis ist aus chinesischer Sicht so schlecht wie seit Aufnahme der diplomatischen Beziehungen 1979 nicht mehr, als das Generalkonsulat in Houston eröffnet worden war. Chinas Außenamtssprecher Wang Wenbin hatte das Vorgehen der USA am Mittwoch in Peking verurteilt, Washington aufgefordert, die „falsche Entscheidung“ rückgängig zu machen. Das US-Außenministerium suggerierte, dass chinesische Diplomaten Gesetze und Vorschriften der USA missachtet hätten. Peking schloss am Donnerstag als Gegenreaktionen das US-Konsulat in Wuhan.

Stornierungswelle nicht ausgeschlossen
Nun befürchtet der US-Handel, dass China bei bestehenden Sojaaufträgen Stornierungen in Betracht ziehen könnte. Das gab es schon einmal. Dabei hatte sich US-Sojaexport zuletzt gut nach China entwickelt. Gestern Nachmittag befeuerte ein gutes Wochenergebnis beim US-Sojabohnenexport von 2,67 Mio. mt den Markt. Davon entfielen 1,695 Mio. mt  auf China. Zudem exportierten die USA in der laufenden Woche 1,32 Mio. mt Bohnen. Dieses vorgelegte Exporttempo könnte schlagartig einbrechen, sollte sich der Konflikt verschärfen. Die Trump-Regierung hielt sich die Option für weitere Konsulatsschließungen offen. Die Frage bleibt, ist es von der Trump-Regierung reines Kalkül oder eine offene Abrechnung mit China.

Brasilien Exporttempo auf Rekord-Niveau
Brasiliens Sojabohnenexporte laufen auf Rekordtempo. Dass jedoch, wie Brasiliens Außenhandelssekretariat Secex mitteilte, bis 13. Juli bereits 6,1 Mio. mt Sojabohnen exportiert wurden, übertraf selbst die Erwartungen des Getreideexportverbandes Anec. Der war von Sojabohnenexporten im Juli von 8,92 Mio. mt ausgegangen, sodass in der bisherigen Saison 70,41 Mio. mt Sojabohnen in den Export gegangen wären. Nun könnte das Ergebnis steigen. Laut Beratungsunternehmens Brandalizze Consulting dürften Brasiliens Sojaexporte nun 83 Mio. mt erreichen, was dem Rekordwert von 83,5 Mio. mt in 2018 nahekäme. Danach wären bis zur kommenden Sojabohnenernte Brasiliens noch 12,5 Mio. mt verfügbar. Hinzu kämen mögliche Exporte Argentiniens und Paraguays, die wegen höherer Verarbeitung zu Sojaschrot weniger Gewicht in die Waagschale werfen. Es bleibt also spannend, wie China in dieser Situation parieren wird. Das Instrument, beide weltgrößten Sojaproduzenten gegeneinander auszuspielen, gibt Peking damit aus der Hand.

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