Bundesregierung ist bei Ernährungswende gefordert
26. August 2020 um 10:56 ,
Der AUDITOR
Dazu Antje von Brook, BUND-Geschäftsführerin für Politik und Kommunikation: "Die dringend notwendige Agrarwende kann nur gelingen, wenn sie durch eine sozial-ökologische Ernährungswende begleitet wird. Das bedeutet vor allem, weniger tierische Lebensmittel zu essen, saisonale und regionale Produkte zu bevorzugen und immer öfter zu Bio-Lebensmitteln zu greifen. In der neuen Zukunftskommission Landwirtschaft wird neben der Agrarpolitik die Ernährung ein wichtiger Diskussionspunkt sein müssen."
Mehr Transparenz für Konsumenten
Durch den kürzlich beschlossenen Nutri-Score® ist ein weiterer Schritt in Richtung Lebensmittelkennzeichnung getan, wenn auch nicht verpflichtend. Der WBAE beharrt jedoch darauf, dass in dieser Richtung noch viel mehr passieren muss, denn eine transparente und einheitliche Kennzeichnung ist nicht nur wichtig für die Verbraucher, sondern auch für den Gesundheits- und Umweltschutz. "Mit einer überwiegend pflanzlichen Ernährung, die saisonal, ökologisch und regional ausgerichtet ist, profitieren sowohl die persönliche Gesundheit als auch die Umwelt. Doch damit sich Verbraucherinnen und Verbraucher auch beim Einkauf umwelt- und klimafreundlich verhalten und mehr für den Tierschutz tun können, braucht es klare und transparente Kennzeichnung von Lebensmitteln. Der jetzige Label-Dschungel hilft da nicht weiter. Lebensmittel brauchen staatliche, verbindliche Kennzeichnungen, die eindeutig, leicht verständlich und wissenschaftlich fundiert sind. Hier sehen wir Frau Klöckner in der Pflicht", so von Broock. Das vom wissenschaftlichen Beirat vorgeschlagene Klima-Label könnte zu einer bewussteren Kaufentscheidung beitragen. Ein Vorbild sei dabei zum Beispiel die Kennzeichnung von Eiern, die sich bereits seit Jahren etabliert hat.
Rechtliche Rahmenbedingungen müssen geschaffen werden
Durch die Kostenfrage sind weiterreichende politische Entscheidungen notwendig. So steht beispielsweise eine neue, artgerechtere Nutztierhaltung zur Debatte, die anteilig über eine mengenbezogene Tierwohlabgabe finanziert und gefördert werden soll. Um dabei einkommensschwache Familien nicht zu stark zu belasten und ihnen trotzdem die Möglichkeit einer gesunden Ernährung zu bieten, müssten laut BUND zum Beispiel die Hartz-IV-Sätze angehoben werden. "Die Verantwortung für umwelt- und klimafreundlichen Konsum darf von der Politik aber nicht alleine bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern abgeladen werden", mahnt die BUND-Geschäftsführerin. Dabei ist die Bundesregierung gefordert, die rechtlichen Rahmenbedingungen zu gestalten und auch umzusetzen. So müssen für eine erfolgreiche Durchführung der Ernährungswende Mensen, Kantinen und Caterings den Ernährungsempfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung angepasst werden.
"Aus Gründen des Tierwohls, der Gesundheit und im Interesse unserer Umwelt, brauchen wir eine deutliche Reduzierung des Fleischkonsums, mehr und attraktivere vegetarische Angebote sowie einen höheren Bio-Anteil. Zusätzlich ist irreführende Werbung – beispielsweise grasende Kühe auf der Milchpackung von Tieren, die nie eine Weide gesehen haben – endlich zu verbieten", so von Broock abschließend.
Quelle: BUND