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Nach Brexit bei Zollabwicklung viele Hürden

4. Februar 2021 13:29, Der AUDITOR
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BERLIN. Deutsche Süßwarenunternehmen melden erhebliche Schwierigkeiten im Handel mit Großbritannien. Die komplizierte Zollabwicklung stellt die Unternehmen vor hohe Hürden, teils kann der britische Lebensmittelhandel nicht mit deutschen Produkten beliefert werden.

Das Exportgeschäft der deutschen Süßwarenindustrie hat sich seit Jahresbeginn aufgrund des Ausscheidens von Großbritannien aus der EU erheblich verschlechtert, hieß es beim Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie e.V. (BDSI). Jedes dritte Unternehmen mit regelmäßigen Exporten nach Großbritannien meldet nach dem Vollzug des Brexits beträchtliche Probleme bei der Belieferung des britischen Marktes. Großbritannien ist der zweitwichtigste Exportmarkt der deutschen Süßwarenindustrie. Fast 10% der Exporte von deutschen Süßwaren entfallen auf Großbritannien. Innerhalb der deutschen Lebensmittelbranche ist die Süßwarenindustrie der bedeutendste Exporteur nach Großbritannien und steht für ein Fünftel des Ausfuhrwertes deutscher Lebensmittel auf die britische Insel. Laut BDSI sehen 58% der Unternehmen in den sehr aufwändigen neuen Zollformalitäten die größte Herausforderung für einen reibungslosen Ablauf in der Logistik. Rund 15% der Unternehmen befürchten, dass ihre Produkte aufgrund der neuen Logistikprobleme zeitweise nicht in den Regalen des britischen Lebensmittelhandels verfügbar sind. Fast jedes zehnte Unternehmen hat zum Jahresstart die Belieferung des britischen Marktes sogar komplett eingestellt.

Einreisebeschränkungen und Fahrermangel
Als weitere große Herausforderungen nannten die Unternehmen Fahrermangel und gesundheitliche Einreisebeschränkungen insbesondere aufgrund der Coronavirus-Krise. Insbesondere Fahrer, die Ende 2020 aufgrund zeitweise geschlossener Grenzen tagelang und teilweise über die Weihnachtstage in Großbritannien festsaßen, wollen häufig keine Transporte ins Vereinigte Königreich mehr übernehmen. Gut 18% der Unternehmen befürchten durch weitere Verschärfungen der Coronavirus-bedingten Einreisebestimmungen zusätzliche Probleme für einen reibungslosen Ablauf in der Logistik. Dies betrifft besonders die Testpflicht nach einem Aufenthalt von 72 Stunden in Hochinzidenzgebieten sowie Einreiseanmeldungen.

Zollabwicklung mit vielen Hürden
Selbst nach Abklingen der Coronavirus-Krise und Einspielen der Zollabwicklung wird der deutsch-britische Handel von hohen administrativen Hürden geprägt bleiben. „Die ausgehandelten Ursprungsregeln für Süßwaren weichen erheblich von bisherigen Ursprungsregeln ab und tragen zu weiterer Verkomplizierung der zollfreien Lieferungen bei“, kritisiert Dr. Carsten Bernoth, Hauptgeschäftsführer des BDSI. EU-Kommission und Mitgliedstaaten mögen im Bereich der Agrarprodukte viele Interessen schützen, tun dies aber zu Lasten der mittelständischen Veredelungsindustrie, die zwar die höchste Wertschöpfung für die EU sicherstellt, mittlerweile aber auf keine einheitlichen Ursprungsregeln für ihre Exportaktivitäten zurückgreifen kann, hieß es.

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