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Branchen-Kurznotizen: Zuckerwirtschaft und Süßwarenindustrie in der Klemme

29. April 2022 um 12:18, Der AUDITOR
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FRANKFURT. Informationen aus Backbranche und Fachhandel. Die Süßwarenindustrie fordert temporäre Ausnahmen von gesetzlicher Deklarationspflicht. Der Kaffeeverbrauch ist in Deutschland gestiegen. Die Zuckerwirtschaft beklagt Wettbewerbsnachteile.

Süßwarenindustrie fordert temporäre Ausnahmen von gesetzlicher Deklarationspflicht
Auch die deutsche Süßwarenindustrie befürchtet dramatische Auswirkungen auf die Branche infolge des Ukraine-Kriegs. Man befinde sich in der schwierigsten Situation seit Bestehen der Bundesrepublik, hieß es beim Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie (BDSI). Schon mit der Corona-Pandemie hätten sich Energie, Agrarrohstoffe, Verpackungen und Transport massiv verteuert. Der Ukraine-Krieg verschärfe die Situation nun drastisch und in existenzbedrohendem Maße, hieß es weiter. Das größte Damoklesschwert ist eine drohende Gasknappheit. Hinzu komme, dass der Markt für wichtige Rohstoffe sei leergefegt, langjährig bestehende Lieferketten funktionieren nicht mehr. Hersteller bekommen deutliche Preiserhöhungen und vermehrt Lieferschwierigkeiten beim Einkauf wichtiger Rohstoffe wie Weizen, Sonnenblumenöl, Sonnenblumenlecithin und Nüssen zu spüren. Auch die Kosten für Milchpulver, Zucker, Eier oder Palmöl sind deutlich gestiegen. Hersteller von Süßwaren und Knabberartikeln benötigten deshalb vorübergehende Ausnahmen von der gesetzlichen Deklarationspflicht ihrer Produkte, solange einzelne Zutaten nicht mehr am Markt verfügbar seien, hieß es. Auch fordert der Verband, dass im Fall von Energieengpässen eine klare Priorisierung der Lebensmittelproduktion bei der Energieversorgung sichergestellt werden sollte.

Kaffeeverbrauch in Deutschland gestiegen
Nach starkem Jahr 2020 verzeichnete der deutsche Kaffeemarkt 2021 ein erneutes Wachstum. Der Pro-Kopf-Konsum von Kaffee stieg laut Deutschem Kaffeeverbands von 168 auf 169 Liter. Das entspricht rund 500 Mio. Tassen, die 2021 deutschlandweit mehr als in 2020 getrunken wurden. Die positive Entwicklung 2021 ist das Ergebnis gestiegener Röstkaffeeverkäufe im LEH. Homeoffice und Lockdown ließen den Konsum von Röstkaffee im eigenen Zuhause, bei Freunden und Familie und um 2,1% steigen. Im zweiten Jahr der Pandemie setzte sich der Rückgang im Außer-Haus-Markt für Kaffee fort, jedoch auf geringerem Niveau als 2020. Das Gesamt-Segment Out-of-Home verlor 5,7% gegenüber dem Vorjahr. Die größten Einbußen verzeichneten Restaurants (-25%), Cafés (-15%) und Kioske (-14%). Gewinne vermeldeten Coffeeshops (+25%), Schnellimbisse/Fast Food Restaurants (+61%) und Bäckereien (+3%). In Summe ergibt sich für den Kaffeemarkt 2021 (ohne das Segment des Löslichen Kaffees) ein Plus von 0,4%, da die Verluste außer Haus durch das Wachstum im Bereich des heimischen Kaffeeverbrauches mehr als kompensiert werden konnten. Wachstumstreiber bei der Kaffeezubereitung zu Hause waren 2021 „Ganze Bohnen". Sie werden vorrangig für Zubereitung mit Kaffeevollautomaten oder Siebträgermaschinen verwendet. Das Segment wuchs um 11,1% und erzielte 41% Marktanteil. Gemahlenen Filterkaffee blieb mit 47% Marktanteil weiterhin die Nummer eins in der Gunst deutschen Verbraucher. Löslicher Kaffee war 2021 mit verschiedenen Darreichungsformen sehr gefragt. Der Absatz im Lebensmitteleinzelhandel legte gegenüber 2020 in allen Bereichen zu. Besonders die Einzelportionsticks mit Milch und/oder Zucker verzeichneten mit 15,4% Absatzplus deutliche Gewinne. Lösliche Mixgetränke, z. B. „Typ Cappuccino", stiegen um 1,6%. Der pure Lösliche Kaffee erzielte ein Plus von 0,7%.

Zuckerwirtschaft beklagt Wettbewerbsnachteile
Die Zuckerwirtschaft zieht zwar positive Bilanz mit Blick auf zurückliegende Rübenkampagne. Bei Energieversorgung und Wettbewerbsverzerrungen steht die Branche dennoch vor großen Herausforderungen. Die EU habe es nicht geschafft, die GAP-Verhandlungen als Chance zu nutzen, Wettbewerbsnachteile durch gekoppelte Prämienzahlungen auszugleichen. Klimawandel bringe zudem neue Schädlinge und Krankheiten hervor, für die aktuell keine wirksamen Bekämpfungsmaßnahmen verfügbar wären, beklagte die Wirtschaftliche Vereinigung Zucker. Die Branche müsse künftig biogene Reststoffen aus eigener Produktion energetisch nutzen. Damit könne Zucker nahezu unabhängig von externen Energiequellen und klimaneutral produziert werden. Allerdings dürfen Regelungen zur Erneuerbaren-Energien-Richtlinie hier keine Steine in den Weg legen, hieß es. Bis zur Umstellung müsste sich die Branche auf sichere Versorgung mit gasförmiger Energie verlassen können. Nach trockenen Vorjahren haben sich die Rübenerträge 2021 erholt. 82,4 Tonnen Rüben pro Hektar konnten geerntet werden (Vorjahr: 73 t). Somit schloss die Rübenkampagne 2021/22 mit Anstieg der Zuckererzeugung auf 4,55 Mio.mt Weißzucker ab.

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