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Branchen-Kurznotizen: Priorisierung bei Energie und Ausnahmen bei Deklarationspflicht

8. April 2022 um 11:19, Der AUDITOR
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FRANKFURT. Informationen aus Backbranche und Fachhandel. Back- und Süßwarenhersteller sorgen sich über die Folgen des Russland-Ukraine-Kriegs. Neben drohenden Gasmangel gehen verschiedene Rohstoffe aus. Ausnahmen bei Deklarationspflicht werden eingefordert.

Dramatische Auswirkungen durch Ukraine-Krieg
Der Bundesverbands der Deutschen Süßwarenindustrie (BDSI) warnt davor, dass sich die Industrie in der schwierigsten Situation seit Bestehen der Bundesrepublik befindet. Der Ukraine-Krieg verschärfe die ohnehin angespannte Situation in existenzbedrohendem Maße. Die drohende Gasknappheit könne im schlimmsten Fall dazu führen, dass die Lebensmittelproduktion stillsteht. Zudem sei der Markt für wichtige Rohstoffe leergefegt, langjährig bestehende Lieferketten funktionierten nicht mehr. Man müsse gemeinsam mit Politik und Lebensmittelhandel dafür sorgen, dass in den Supermärkten nicht ganze Regale leer bleiben. Die Politik muss jetzt alle Maßnahmen prüfen, die dazu beitragen, dass die Hersteller von Lebensmitteln weiter produzieren können. Hersteller von Süßwaren und Knabbergebäck benötigten vorübergehende Ausnahmen von gesetzlicher Deklarationspflicht, solange einzelne Zutaten nicht mehr verfügbar sind und alternative Zutaten eingesetzt werden müssen. Im Falle von Energie-Engpässen müsse die Lebensmittelproduktion priorisiert werden. So empfehle das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe die Bevorratung mit haltbaren und energiereichen Produkten in Notsituationen, führe dabei explizit Schokolade, Hartkekse, Kakaopulver und Salzstangen auf.

 Vorratskäufe bei Mehl und Speiseöl nehmen zu
Eine Sonderauswertung des Statistischen Bundesamtes (Destatis) zeigt die stark steigende Verkaufszahlen für Mehl und Speiseöl ab der 8. Kalenderwoche 2022. Die Nachfrage nach Speiseöl war in der 10. Kalenderwoche 2022 mehr legte um 123% zu, ähnlich wie ein knappes halbes Jahr zuvor im September 2021. Die Nachfrage nach Mehl stieg im gleichen Vergleichszeitraum um 206%. Der Anstieg lässt sich Destatis zufolge mit dem Beginn des Krieges in der Ukraine in Verbindung bringen, weil solche Sprünge bei den Verkaufszahlen im vergangenen Halbjahr ausgeblieben sind.

Absatz von Tiefkühlkost legt wieder zu
Nach dem starken pandemiebedingten Einbruch im Außer-Haus-Markt in 2020 fand die TK-Branche wieder zurück in die Erfolgsspur, wie die Absatzstatistik des Deutschen Tiefkühlinstituts (DTI) zeigt. Der Absatz von Tiefkühlkost in Deutschland ist 2021 um 3,1% auf 3,773 Mio. mt gegenüber 2020 gestiegen. Der TK-Gesamtumsatz übertraf mit 15,924 Mrd. EUR um 5,6% das Ergebnis von 2020.  Ein Vergleich der jährlichen Entwicklung der TK-Absatz- und Umsatzzahlen zeigt, dass der Absatz von Tiefkühlprodukten auf hohem Niveau stabil geblieben ist und die Verluste im Außer-Haus-Markt teilweise wieder aufgeholt werden konnten. 

ifo Geschäftsklimaindex: Stimmung in der deutschen Wirtschaft eingebrochen
Der ifo Geschäftsklimaindex ist im März auf 90,8 Punkte abgestürzt, nach 98,5 Punkten im Februar. Grund war ein historischer Einbruch der Erwartungen um 13,3 Punkte, der den Rückgang bei Ausbruch der Coronakrise im März 2020 von 11,8 Punkten noch übertraf. Die Firmen schätzten auch ihre aktuelle Lage schlechter ein. Der Rückgang fiel jedoch mit 1,6 Punkten vergleichsweise moderat aus. Die Unternehmen in Deutschland rechnen mit harten Zeiten.

Werden Bäckereien bei Gasknappheit priorisiert?
Was ist, wenn in Deutschland das Gas ausgeht? Werden Bäckereien bei der Gas-Versorgung priorisiert? Derzeit gibt es keine konkreten Informationen, welche Unternehmen prioritär bei einer verknappten Gasangebot behandelt würden. Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) und Bundeskanzleramt sicherten zu, dass die Bundesnetzagentur mit der Ernährungswirtschaft das Gespräch aufnehmen wird. Im Fall einer Gasmangellage wird die Bundesnetzagentur zum Bundeslastverteiler, dies erfolgt in Abstimmung mit Gasnetzbetreibern. Dabei betonte das BMWK, dass es die Lebensmittelproduktion als „systemrelevant" im Rahmen der Gasnotfallversorgung sieht, die Bundesnetzagentur auch mit der Ernährungswirtschaft das Gespräch aufnehmen wird. Der Zentralverband pocht darauf, dass das Bäckerhandwerk als systemrelevante Branche, die zur Versorgung der Bevölkerung mit Grundnahrungsmitteln beiträgt, eingestuft wird. Der Verband Deutscher Großbäckereien hat die Ministerien aller 16 Bundesländer auf die Notwendigkeit einer Priorisierung für Backbetriebe hingewiesen. Dieser  beurteilte die Lage so, dass die Erstellung einer Prioritätenliste zunächst allein in Händen der örtlich zuständigen Versorger liegt. Hat dieser viele Lebensmittelhersteller und Bäcker im Sprengel, kann es eng werden. Erst bei einer weiteren Verschärfung der Lage und einer Ausrufung der weiteren Stufen geht dann die Zuständigkeit auf den Staat über (Stufe 3).

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