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„Nutri-Score versagt bei gesunden Pflanzenölen“

20. August 2020 13:03, Der AUDITOR
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FRANKFURT/BERLIN. Die gestern vom Bundeskabinett beschlossene Verordnung zur Kennzeichnung Nutri-Score®, die im Herbst 2020 in Deutschland in Kraft treten soll, trifft bei der Lebensmittelindustrie nicht überall auf Zustimmung. Das Berechnungsverfahren kritisiert der Verband der Ölsaaten-verarbeitenden Industrie in Deutschland. Gesunde Pflanzenöle mt vielfach hohem Anteil ungesättigter Fettsäuren würden dabei ungerechtfertigt abgewertet.

Die Qualität von Lebensmitteln soll für Verbraucher transparenter werden. Dazu soll die gestern im Bundeskabinett beschlossene Verordnung zur Kennzeichnung Nutri-Score® dienen, die im Herbst 2020 in Deutschland in Kraft treten wird. Eine fünf Farb-Buchstabenkombinationen soll dem Verbraucher helfen, welche Produkte zu einer gesünderen Nahrung mehr beitragen als andere. Eine grüne A-Bewertung spricht für ehe gesunde, eine rote E-Bewertung für weniger gesunde Ernährung, deren Produkte eher vermieden oder zumindest eingeschränkt werden sollten. Nutri-Score bezieht neben dem Gehalt an Zucker, Fett und Salz auch Ballaststoffe und Proteine in eine Gesamtbewertung ein und gibt dann einen einzigen Wert an, auf einer fünfstufigen Skala von A auf dunkelgrünem Feld für die günstigste Bilanz über ein gelbes C bis zum roten E für die ungünstigste. Das zutreffende Feld wird hervorgehoben. Zur Ermittlung des Nutri-Score® werden die Mengen verschiedener Nähr- und Inhaltsstoffe verrechnet. Hierzu werden Nährstoffe, wie beispielsweise Energie, Fett und Salz, deren übermäßiger Verzehr sich negativ auf die Gesundheit ausüben könnte, sowie andererseits Inhaltsstoffe wie Ballaststoff- und Eiweißgehalt und den Anteil an Obst, Gemüse und Nüssen, die eher positiven gesundheitlichen Einfluss haben, berücksichtigt. Hier setzt die Kritik des Verbandes der Ölsaaten-verarbeitenden Industrie an.

Nutri-Score stuft Pflanzenöle in die Kategorien C oder D ein
 „Der Nutri-Score stuft alle Pflanzenöle und -fette in die Kategorien C oder D ein, selbst gesundes Rapsöl, Sonnenblumenöl, Sojaöl oder Olivenöl. So wird das falsche Signal gesetzt, möglichst weniger davon zu konsumieren, obwohl die Ernährungswissenschaft gesunde Pflanzenöle empfiehlt”, kritisiert OVID-Geschäftsführer Dr. Gerhard Brankatschk. Das derzeitige Berechnungsverfahren des Nutri-Score berücksichtigt nur den Gesamtfettgehalt eines Lebensmittels sowie den Anteil gesättigter Fettsäuren. Für eine gesunde Ernährung sind einfach und mehrfach ungesättigte Fettsäuren relevant, da sie lebensnotwendige Bausteine für Körperzellen beinhalten. Der Mensch kann diese essentiellen Fettsäuren nicht selbst bilden und muss sie über die Nahrung aufnehmen. „Der Nutri-Score muss die unterschiedlichen Fettsäurespektren in Lebensmitteln berücksichtigen. In der vorliegenden Form tut er es nicht, denn er wertet eine ganze Gruppe gesunder Pflanzenöle ab. Diese Einstufung steht im klaren Widerspruch zur originären Idee des Nutri-Scores”, kritisiert Dr. Brankatschk. Essentiell ist beispielsweise die Zusammensetzung der Pflanzenöle für Menschen mit überhöhten Cholesterinwerten, die möglichst auf gesättigte Fettsäuen verzichten sollten, für die dagegen Pflanzenöle mit einfach und mehrfach ungesättigte Fettsäuren förderlich sind. Es besteht also Handlungsbedarf, um das System Nutri-Scores zu präzisieren.

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