Die Konsum-Stimmung hellt sich in Deutschland auf (Teil 1)

22. Juli 2020 um 07:17 , Der AUDITOR
Bericht als Audio abspielen

FRANKFURT. Deutschland erlebt im 2. Quartal 2020 den schärfsten Einbruch der gesamtwirtschaftlichen Situation seit der Nachkriegszeit. Die Hoffnungen auf einen V-förmigen Konjunkturverlauf sind vorerst verflogen. Aber das Stimmungsbild bei Umfragediensten und Wirtschaftsinstituten hellt sich trotzdem auf. Die Konsumneigung soll im Juli steigen. Gefährlich bleibt das Risiko einer zweiten Pandemiewelle.

Der Handelsverband Deutschland (BVE) kam in seinem Juli-Konsumbarometer zu eher gedämpften Erwartungen. Dabei weichen allerdings die Prognosen für das BIP-Wachstum 2020 in Krisenzeiten, wie derzeit durch Corona, zwischen Instituten und Bundesregierung stärker voneinander ab so sonst, hieß es. Die Bundesregierung erwartete einen Rückgang um -6,3 % (Vorjahr + 5,2 %), die Bundesbank von -7,1 %, das ifo-Institut blieb mit -6,7 % noch relativ optimistisch, während das Handelsblatt Research Institut (HRI) und das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) Rückgänge um -9,4 % bzw. -9,0 % erwarten. Dabei zeigen die Prognosen, dass der Einbruch der gesamtwirtschaftlichen Situation der Schärfste der Nachkriegszeit sein wird. Auch scheinen sich Hoffnungen auf einen V-förmigen Konjunkturverlauf, auf drastischen Einbruch, folgt wieder schnelle Erholung der Wirtschaft, vorerst nicht abzuzeichnen. Das ifo-Institut rechnetet damit, dass die deutsche Wirtschaft frühestens im übernächsten Jahr wieder ihr Vor-Corona-Niveau erreichen wird. Die Bundesbank-Ökonomen sehen eine zügige Normalisierung erst, wenn es eine medizinische Antwort auf Covid19 gäbe. Auch die Experten vom Bundeswirtschaftsministerium rückten von früheren optimistischeren Prognosen ab. Nach Berechnungen der OECD dürfte im Fall einer zweiten Welle der Rückgang der gesamtwirtschaftlichen Leistung nicht bei -6,6 % liegen, sondern auf 8,8 % steigen.

Konjunkturprogramm soll Verlaufsbild der Wirtschaft wenig verändern
Das von der Bundesregierung vorgelegte Konjunkturprogramm mit einer bis Ende Dezember befristeten Senkung der Mehrwertsteuer von 19 auf 16 % bzw. 7 auf 5 % dürfte laut Ökonomen des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IFW) das Verlaufsbild der deutschen Wirtschaft wenig verändern, während Experten der Bundesbank einen dadurch geringeren Rückgang der Wirtschaft um 1 Prozentpunkt in 2020 und von 0,5 Prozentpunkten in 2021 sehen. Der IWF erwartet, dass Vorzieheffekte durch geringe Mehrwertesteuer in 2020 durch dämpfende Effekte 2021 wieder ausgeglichen werden. Wie stark der Einbruch im April war, zeigen die Auftragseingänge im Verarbeitenden Gewerbe preis-, saison- und kalenderbereinigt um 36,6 % zum Vorjahresmonat.  Am 12. Juni folgten noch Zahlen zur Industrieproduktion und zum Export. Die deutsche Industrieproduktion brach um 17,9 % und der Export um 24 % zum März ein. (Fortsetzung im Teil 2).

 

Dies könnte Sie ebenfalls interessieren

zur Nachrichten-Übersicht
Trockenfrüchte
05.05.2026
BERLIN. Die hohe Nachfrage nach Bio-Lebensmitteln wird in Deutschland von Drogerien und dem E-Commerce angetrieben. Die Verbraucher entscheiden sich eindeutig für eine Lebensmittelindustrie, die im Einklang mit der Natur steht.
Trockenfrüchte
11.02.2026
FRICK/BONN. Laut dem Forschungsinstitut für biologischen Landbau und dem Dachverband IFOAM – Organics International hat der weltweite Bio-Markt ein Allzeithoch erreicht. Die Umsätze steigen, die Anbaufläche ist stabil, und die USA und die Schweiz haben den größten Markt und die größte Verbraucherbasis.
Umfragen und Studien
13.01.2026
BRÜSSEL. Die Klimasicherung der Sektoren Landwirtschaft, Energie und Verkehr würde dazu beitragen, Verluste in Milliardenhöhe aufgrund der zunehmenden extremen Wetterereignisse im Zusammenhang mit dem Klimawandel zu vermeiden. Gleichzeitig würde dies laut einem am 12. Januar 2026 veröffentlichten Bericht der Europäischen Umweltagentur (EEA) die Wettbewerbsfähigkeit Europas steigern.
Umfragen und Studien
01.07.2025
BRÜSSEL. Wie die Generaldirektion Landwirtschaft und ländliche Entwicklung (GD AGRI) der Europäischen Kommission hervorhebt, haben die hohen Preise für Kakao, Kaffee, Obst und Nüsse im ersten Quartal 2025 Auswirkungen auf die Exporte und Importe gehabt. Die Getreideexporte sind jedoch zurückgegangen.