Ölsaaten

Indischer Sesam: „Die Zukunft des Sesammarktes ist unberechenbar“

5. Januar 2022 10:00, Der AUDITOR
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SEEHEIM/GUJARAT. Die AUDITOR-Redaktion hat mit einer Reihe verschiedener Experten aus dem Rohstoffhandel gesprochen. Für das heutige Interview hat Meghna Thakkar, Sesam- und Gewürzexpertin bei Mark Overseas, Gujarat/Indien, Rede und Antwort gestanden. Sie berichtet über die Widrigkeiten und Hürden, mit denen der indische Sesammarkt in diesem Jahr konfrontiert war, welche positiven Erfahrungen gegebenenfalls gemacht wurden und welche Erwartungen sie an das kommende Jahr 2022 hat.

Welches waren die größten Schwierigkeiten, die der indische Sesam- und Gewürzmarkt im Jahr 2021 zu bewältigen hatte? Hatten sie hauptsächlich mit der anhaltenden Bedrohung durch die weltweite Pandemie zu tun oder wären sie Ihrer Meinung nach auch in einem normaleren Jahr aufgetreten?

Die größten Schwierigkeiten und Probleme im Jahr 2021 waren

- Arbeitskräftemangel
- Panik auf dem Markt wegen des geringeren Angebots aufgrund der Restriktionen, was zu einem Preisanstieg führte
- Ausgangsbeschränkungen
- Transporte
- Hohe Frachtraten, fast fünfmal so hoch wie üblich, und geringere Verfügbarkeit von Containern
- Nachwirkungen des Ethylenoxidskandals, die sich insbesondere bei den Sesamlieferungen in die EU bemerkbar machten. 

Wir glauben, dass diese Probleme in einem normalen Jahr nicht aufgetreten wären. Experten und verschiedenen Quellen zufolge war der Hauptgrund für vieles hiervon die Pandemie. 

Auf den meisten Märkten sind die Preise für Futter- und Lebensmittelrohstoffe im Laufe des vergangenen Jahres erheblich gestiegen. Indischer Sesam ist da keine Ausnahme. Glauben Sie, dass sich die Käufer langfristig auf diese höheren Preise einstellen müssen, oder erwarten Sie, dass die Preise wieder sinken werden? 

Die Zukunft des Sesammarktes ist nach wie vor unberechenbar, insbesondere für das Jahr 2022. Aufgrund der starken Regenfälle befürchten die Landwirte in Rajasthan, Madhya Pradesh und Uttar Pradesh Ernteschäden. Das Angebot der neuen Ernte und die Nachfragesituation, nachdem die Käufer ihren Bedarf an Sesam für die EU und Südkorea gedeckt haben, werden die im kommenden Jahr bestimmen. In China ist kein rückläufiger Bedarf zu verzeichnen. Da Japan seine Importe in diesem Jahr reduziert hat und für 2021 nur noch geringe Lagerbestände hat, wird das Land im kommenden Jahr wieder Sesam importieren. Die allmählichen Lockerungen der Corona-Maßnahmen und der mit der Zeit steigende Verbrauch der Produkte werden sich positiv auf die Preise auswirken. In Indien könnte es zu einem leichten Abwärtstrend der Preise kommen, da in den chinesischen Häfen noch immer hohe Sesambestände von etwa 210.000 mt lagern. Das Auftreten der neuen Covid-19-Variante kann die Nachfrage dämpfen. Pakistan hat bereits eine

 Überproduktion, und das Land liegt näher an China als an Indien. Dies könnte auch einer der Gründe sein, die den Markt nicht so stark ansteigen lassen werden. Ein weiterer Faktor, der sich als entscheidend für die indischen Sesampreise erweisen kann, ist der schrumpfende Absatz von verarbeitetem Sesam nach dem ETO-Skandal. Trotz dieser möglicherweise ungünstigen Faktoren, die sich negativ auf die Sesampreise in Indien auswirken können, gehen Experten davon aus, dass das Produkt auch in Zukunft einen Aufwärtstrend erleben wird. 

Hat sich die Nachfragesituation im Vergleich zu 2020 und 2019 verändert?

Händler und Experten gehen davon aus, dass der Bedarf auch weiterhin stabil bleiben wird. Die Nachfrage war gut und stark.   

Meinen Sie, dass einige Käufer und Verarbeiter ihren Bedarf neu anpassen mussten?

Natürlich mussten sie aufgrund der oben erwähnten Schwierigkeiten ihr Angebot und ihren Bedarf anpassen, aber insgesamt war es überschaubar und die Situation wird jetzt besser und stabilisiert sich. 

Logistische Probleme wie hohe Frachtkosten, ein Mangel an Containern und Lkw-Fahrern sowie geschlossene Häfen waren Probleme, mit denen der Lebens- und Futtermittelmarkt zu kämpfen hatte. Gibt es daraus Lehren für das Jahr 2022 zu ziehen? 

Ja, es war eine wichtige Erfahrung, nicht nur für den Rohstoffmarkt, sondern für alle Branchen. Viele Länder sind mit Treibstoff- und Strompreiserhöhungen konfrontiert, die Preise für fast alle Produkte steigen, und viele Industrien durchleben schwierige Zeiten. Corona hat das weltweite Szenario völlig verändert und uns gezeigt, dass alles passieren kann und wir auf das Schlimmste vorbereitet sein sollten. 

Darüber hinaus sind der Klimawandel und die Ernteprobleme real und stellen eine Bedrohung für alle Arten von Lebens- und Futtermitteln auf der ganzen Welt dar und werden dies höchstwahrscheinlich auch weiterhin tun. Wie würde sich dies in Zukunft auf den indischen Sesam- und Gewürzmarkt auswirken und was könnten die Unternehmen dieser Branche tun, um diese Situation zu verbessern? 

In Indien fehlt es dieses Jahr an Sesam in guter Qualität, etwa 40% der Ernte weißen Mängel auf. Es ist zu früh, um über die Gewürzmärkte zu sprechen, da die neuen Ernten erst im Februar/März eintreffen werden. Rohstoffe sind vom Wetter abhängig, vor allem von Regenfällen und anderen klimatischen Faktoren, die nicht in unserer Hand liegen. Daher treffen die Landwirte zum Zeitpunkt der Aussaat nur die wichtigsten Vorsichtsmaßnahmen. Nach der Aussaat und der Ernte können wir nur noch auf günstige Wetterbedingungen hoffen. Das ganze Szenario hängt von der Angebots- und Nachfragesituation und von der Qualität der Ernte ab. Die Erzeuger versuchen alles, um die Anforderungen ihrer Kunden zu erfüllen.

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