HDE-Konsumbarometer: Wirtschaftserholung läuft schleppender
8. Oktober 2020 um 07:15 ,
Der AUDITOR
Aktuell werden die Verbraucher mit verschiedenen Entwicklungen konfrontiert. Einerseits nimmt das Corona-Infektionsgeschehen wieder zu, es gibt regionale Eindämmungsmaßnahmen. „Zugleich entwickelt sich der wirtschaftliche Ausblick in den aktualisierten Konjunkturprognosen optimistischer als noch im Sommer“, so HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth.
Konjunktureinschätzungen der Wirtschaftsinstitute
Die optimistischste Prognose lieferte das Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung (RWI), hoben die Experten ihre Konjunkturprognose von Juni, wo ein Einbruch des Bruttoinlandsprodukts von 5,8 % erwartet wurde, auf minus 4,7 % an. Für 2021 nahm das RWI die Wachstumsprognose jedoch von 6,4 auf 4,5 % zurück. Das Institut für Weltwirtschaft (lfW) in Kiel erwartet dagegen einen Rückgang der Gesamtleistung um 5,5 %. Damit fällt der Einbruch um 1,3 Prozentpunkte geringer aus als befürchtet. Gleichzeitig nahmen die Ökonomen für 2021 ihre Wachstumserwartungen von 6,3 auf 4,8 % zurück. „Die Krise hat das Eigenkapital vieler Unternehmen belastet, was deren Investitionstätigkeit dämpfen dürfte, so Stefan Kooths, Konjunkturchef des lfW Kiel. Vorsichtiger blieb das Deutsche Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), das vom 6 prozentigen Rückgang der Wirtschaftsleistung ausgeht. 2021 soll die deutsche Wirtschaft dann 4,1 % zulegen. Zwar hätten Unternehmen und private Haushalte die Corona-Krise besser verkraftet, als befürchtet wurde. Dass die Erholung kein Selbstläufer werde, zeige der Außenhandel: Zahlreiche Handelspartner steckten tief in der Krise. Das Handelsblatt Research Institute (HRI) erwartet einen Rückgang der Wirtschaftsleistung um 6,6 %, für 2021 eine Erholung von 4,8 %. Grund wäre, dass der Außenhandel als traditioneller Motor einer Konjunkturerholung ausfallen dürfte. Mit Ausnahme Chinas stecken alle wichtigen Handelspartner Deutschlands in wirtschaftlichen Schwierigkeiten, die angesichts steigender Infektionszahlen noch wachsen dürften. In Spanien, Frankreich und Großbritannien sind neuerliche Lockdowns wahrscheinlich. Für fast alle Nachbarländer Deutschlands gelten Reisewarnungen, oftmals für die wirtschaftlich wichtigen Hauptstadt-Regionen. Aktuell sei zu beobachten, dass die Erholung der deutschen Wirtschaft nach markanter Aufwärtsbewegung nach dem Ende des Lockdowns zusehends schleppender verläuft. Damit unterscheidet sich diese Krise von der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/09. Während Ökonomen einen V-förmigen Verlauf erwarteten, harter Einbruch, schnelle Erholung, kreierte Lars Feld, Chef der Wirtschaftsweisen, angesichts der abnehmenden Erholungsdynamik den Begriff „asymmetrische V", mit weniger steilen Aufwärtsbewegung.
Einkommenserwartungen geraten ins Stocken
Die Verbraucher sehen offenbar keinen Automatismus zwischen der gesamtwirtschaftlichen Erholung und einer Verbesserung der eigenen finanziellen Lage. Viele scheinen nach wie vor in Sorge um den eigenen Arbeitsplatz zu sein. Im Vergleich zur Entwicklung in den vergangenen Monaten sind Anschaffungs- und Sparneigung im Oktober nahezu unverändert. Dementsprechend sind in den kommenden Monaten beim Konsum keine größeren Ausschläge nach oben oder unten zu erwarten.