Nüsse

Erdnüsse: Unsicherheit bei Angebot und Nachfrage

24. Mai 2022 15:00, Der AUDITOR
Bericht als Audio abspielen

NEU DELHI. Obwohl sich die Angebote für Erdnüsse in Indien in den letzten Wochen in einem moderaten Rahmen bewegten, gehen Händler davon aus, dass sich dies bald ändern wird. Ausschlaggebend sind globale Faktoren, unter anderem leidet die Produktion in Brasilien unter dem Wetter. Kürzlich aktualisierte Produktionsschätzungen zeigen allerdings ein anderes Bild.

Händler zeigen sich verunsichert

Die Händler äußern sich verunsichert über die derzeitige Marktsituation in Indien. Obwohl der Markt in den letzten drei Wochen von einem weiteren Preisanstieg verschont geblieben ist, ist der Gesamttrend höchst alarmierend. Die Preise sind in Indien in den letzten Jahren stetig gestiegen, und es ist zu befürchten, dass noch weitere Preiserhöhungen bevorstehen, denn die Lage auf dem internationalen Markt ist alles andere als ermutigend. Der Erdnussbedarf in Indien ist so hoch, dass das Land auf Importe angewiesen ist, obwohl es selbst einer der führenden Produzenten ist. Seit dem Beginn der Corona-Pandemie sind die Transportkosten in die Höhe geschnellt, und das Angebot an Containern entspricht bei weitem nicht dem Bedarf.

Indiens Importeure sind vor allem über die Bedingungen in Brasilien besorgt, wo die Trockenheit die Erträge verringert hat und die Aflatoxin-Kontamination die Ausfuhren in diesem Jahr eingeschränkt hat. Auch in den USA sind die Aussichten nicht gerade ermutigend. Grund dafür ist, dass die Landwirte nicht die erwarteten Gewinne erzielt haben, was sich auf die Aussaat ausgewirkt hat und die Produktion verringern wird. Außerdem hat die Inflation den argentinischen Markt getroffen und die Ausfuhren beeinträchtigt, da die Betriebskosten einfach zu hoch sind. Die überraschende Stagnation der Nachfrage aus Europa ist ebenfalls sehr entmutigend, da die Inflation die Verbraucherausgaben für nicht lebensnotwendige Güter verringern dürfte. Diese Verschiebungen bei Angebot und Nachfrage werden zu dem hohen Maß an Unsicherheit beitragen, das den Händlern schon jetzt Kopfzerbrechen bereitet.

Weltweite Produktion wird ansteigen

In Bezug auf die Produktion sind die Aussichten jedoch weniger düster. In den kürzlich aktualisierten Erdnussproduktionsschätzungen für 2022/2023 geht der Foreign Agricultural Service (FAS) des USDA sogar von einem nominalen Anstieg der weltweiten Produktion um 1,2% aus. Es wird erwartet, dass China seine Position als führender Produzent beibehalten wird, aber auch Indien, Nigeria, der Sudan und Myanmar werden ihre Produktion vergrößern. Dies wird die Rückgänge in anderen Ländern wie den USA und Argentinien ausgleichen. Guinea wird den stärksten Produktionsrückgang verzeichnen. Die Schätzungen für Brasilien sind sehr optimistisch, da die Produktion von 718.000 mt im Jahr 2021/2022 auf 750.000 mt im Jahr 2022/2023 steigen soll. 

Erdnussproduktion, in der Schale, in 1.000 mt

Land

2021/22

2022/23

Diff.

China

18.200

18.300

0,5%

Indien

6.800

7.000

2,9%

Nigeria

4.228

4.500

6,4%

USA

2.898

2.840

-2,1%

Sudan

2.355

2.500

6,1%

Senegal

1.678

1.700

1,3%

Myanmar

1.600

1.650

3,1%

Argentinien

1.300

1.250

-3,9%

Guinea

1.335

1.200

-10,2%

Tansania

1.100

1.100

0,0%

Andere

8.793

8.874

0,9%

Gesamt

50.287

50.914

1,2%

Quelle: IPAD FAS, Mai 2022

Nominell niedrigere Preise

Die wöchentlichen Anlieferungen in Indien liegen derzeit bei 4.255 mt. Die Preise haben zuletzt leicht nachgegeben und bewegen sich auf einem ähnlichen Niveau wie Ende April. Die Preise für Erdnüsse, Bold, 40-50 liegen derzeit bei 1.350 USD/mt FOB Indien. 

Erdnusspreise

Sorte

USD/mt

Bold, 40-50

1.350

Bold, 50-60

1.315

Bold, 60-70

1.295

Java, 50-60

1.490

Java, 60-70

1.420

Java, 70-80

1.410

Quelle: FOB Indien; nicht-EU-Qualität

Weitere Informationen:
Preischart Erdnüsse, mit Haut, 40/50, Bold, Indien
Preischart Erdnüsse, mit Haut, 50/60, Java, Indien
- weitere Preischarts

Dies könnte Sie ebenfalls interessieren

zur Nachrichten-Übersicht
Ölsaaten
23.06.2022
OTTAWA/NUR-SULTAN. Kanadas Anbauflächen profitieren von Niederschlägen. Gleichzeitig rechnen Marktteilnehmer mit einer Korrektur der offiziellen Anbauprognose in den kommenden Tagen. Osteuropäische Leinsaat ist inzwischen wieder deutlich günstiger als in den vergangenen Wochen.
Nüsse
23.06.2022
ORDU. Die Aufmerksamkeit hat sich auf die neue Haselnussernte in der Türkei verlagert. Die Nachfrage ist enttäuschend gering, und die Lieferanten versuchen mit kreativen Mitteln, dies zu ändern. Für viele türkische Produzenten werden sich die Dinge jedoch zum Schlechten wenden.
Ölsaaten
23.06.2022
NEU-DELHI. Indische Sesamhändler rechnen für den kommenden Tender mit ernstzunehmender Konkurrenz. Derweil dürfte der Bedarf der einheimischen Schälbetriebe zusätzlich für festere Preise sorgen.
Ölsaaten
23.06.2022
CHRUDIM/BUDAPEST. Ungarische Blaumohnhändler zeigen sich mehr als frustriert mit der diesjährigen Ernte. Auch über Tschechiens diesjähriger Mohnproduktion schwebt weiterhin ein großes Fragezeichen.