Nüsse

Erdnüsse: Schwierigkeiten sind schwer einzuschätzen

5. April 2022 um 14:27 , Der AUDITOR
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ATLANTA. Wie auch die meisten anderen Agrarrohstoffe sieht sich der Erdnussmarkt mit Problemen wie den Auswirkungen der Pandemie, Transportschwierigkeiten und nicht zuletzt der Ukraine-Krise konfrontiert. Vor allem die globalen Auswirkungen des Krieges sind derzeit noch schwer abzuschätzen.

Anbaufläche könnte vergrößert werden

Der Erdnussmarkt sieht sich, wie so ziemlich alle Agrarrohstoffe, derzeit mit schwer einschätzbaren Problemen konfrontiert. Noch immer hinterlässt die Coronapandemie ihre Spuren, unter anderem durch einen Mangel an Arbeitskräften, fehlende Frachtkapazitäten und Maßnahmen, die den Handelsfluss unterbrechen. Nachdem sich hier nun erste Besserungen eingestellt hatten, führt der von Putin initiierte Krieg in der Ukraine zu globalen Problemen riesigen Ausmaßes. Wie The Peanut Grower berichtet, kämpfen die Erzeuger zurzeit vor allem mit den hohen Kraftstoffkosten, während die gestiegenen Preise für Düngemittel den Erdnussfarmern in die Hände spielen könnten. Da Erdnüsse diesbezüglich genügsam sind und hauptsächlich Kalzium benötigen, brauchen Konkurrenzprodukte wie Baumwolle und Mais große Mengen an Stickstoff. Das könnte dazu führen, dass die Anbauflächen für Erdnüsse vergrößert werden. So bestätigen erste offizielle Angaben bereits, dass die Anbaufläche in Georgia um 5% größer ausfallen dürfte als im Vorjahr.

Suche nach alternativen Märkten

Das USDA meldet, dass auf dem Inlandsmarkt weiterhin eine gute Nachfrage besteht, die im Jahresvergleich sogar leicht gestiegen ist. Nicht unwichtig ist dabei, dass die US-Regierung große Mengen Erdnussbutter und geröstete Erdnüsse für diverse Ernährungsprogramme kauft. Die Exporte sind im Dezember 2021 im Vergleich zum Vorjahresmonat allerdings deutlich um 48% zurückgegangen. Das liegt laut The Peanut Grower an der allgemeinen weltwirtschaftlichen Lage, die sich erst wieder erholen muss – was in naher Zukunft vermutlich nicht der Fall sein wird. Der Ukraine-Krieg sorgt den Experten zufolge für „maximale Unsicherheit“. Brasilien, Argentinien und Indien sind die Exporteure, die die größten Mengen Erdnüsse in die Ukraine und Russland exportieren; diese Länder müssen sich nun nach alternativen Märkten umsehen. Bewegung kommt indes in die Beziehungen zwischen den USA und Großbritannien, die derzeit darüber verhandeln, die Zölle in Höhe von 25% für US-amerikanische Erdnussbutter aufzuheben.

Erdnusspreise

Sorte

USD/mt

Bold, 40-50, FOB Indien*

1.290

Bold, 50-60, FOB Indien*

1.255

Bold, 60-70, FOB Indien*

1.135

Java, 50-60, FOB Indien*

1.465

Java, 60-70, FOB Indien*

1.395

Java, 70-80, FOB Indien*

1.385

Red Skin, 60/70, China, FCA Spanien

1.950

Runner, blanchiert, 38/42, Argentinien, FCA Spanien

1.630

Quelle: Handel; *nicht-EU-Qualität

EU-Exporte sinken um knapp 11%

Auch die Importe in die EU verzeichneten 2021 im Jahresvergleich einen deutlichen Rückgang von knapp 11%. Insgesamt wurden 536.050 mt geschälte Erdnüsse in EU-Länder eingeführt, 2020 waren es noch 400.372 mt. Besonders deutlich sind die Rückgänge bei Importen aus Brasilien (-17,2%) und China (-16,3%), aber auch der Top-Lieferant Argentinien exportierte über 9% weniger in EU-Länder. Insgesamt konnte keines der wichtigsten Produktionsländer Steigerungen erzielen.

Import Erdnüsse, geschält* in die EU in mt

Land

2020

2021

Diff.

Argentinien

442.011

401.960

-9,1%

Brasilien

43.824

36.286

-17,2%

China

37.595

31.476

-16,3%

USA

30.259

28.553

-5,6%

Nicaragua

19.539

17.667

-9,6%

Andere

27.144

20.108

-25,9%

Gesamt

600.372

536.050

-10,7%

Quelle: Europäische Kommission

*12024200 Erdnüsse, geschält, auch geschrotet (ausg. Samen zur Aussaat, geröstet oder auf andere Weise hitzebehandelt)

Weitere Informationen:
Preischart Erdnüsse, mit Haut, 40/50, Bold, Indien
Preischart Erdnüsse, mit Haut, 50/60, Java, Indien
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