Nüsse

Erdnüsse: Erzeuger wechseln zu profitableren Produkten

1. August 2022 10:39, Der AUDITOR
Bericht als Audio abspielen

PEKING/ATLANTA. Sowohl in Indien als auch in den USA wechseln Erdnuss-Farmer vermehrt zu Agrarprodukten wie Baumwolle, die höhere Gewinne erzielen können. Das wichtigste Produktionsland für die Saison 2022/23 bleibt allerdings China.

Extreme Frachtkostenerhöhung

In seinen aktuellen Schätzungen geht der International Nut and Dried Fruit Council (INC) davon aus, dass die globale Erdnussproduktion in der Saison 2022/23 ähnlich ausfallen dürfte wie im Vorjahr und etwa 50,7 Mio. mt erreichen könnte. Der mit Abstand wichtigste Produzent bleibt dabei China; die diesjährige Ernte wird auf 18,15 Mio. mt geschätzt und fällt damit geringfügig höher aus als letztes Jahr. Ein Problem stellen allerdings die Frachtkosten dar, die dem INC zufolge zehnmal höher liegen als vor der Pandemie. Das resultiert in sinkenden Exporten, während der Inlandsverbrauch in China gestiegen ist.

Bei den lateinamerikanischen Anbauländern zeichnet sich indes ein gemischtes Bild ab. In Argentinien wird ein leichter Rückgang der Bestände verzeichnet, was der Argentine Chamber of Peanuts zufolge zum einen an sehr geringen Überhangbeständen aus der Vorsaison und zum anderen an einem geringen Erntevolumen liegt. Brasilien kann sein Produktionsvolumen hingegen um 4,5% steigern, und das laut dem USDA zum vierten Mal in Folge. Erwartet werden 750.000 mt Erdnüsse in der Schale. Die Marktexperten rechnen damit, dass Brasilien in der Saison 2022/23 vermehrt Erdnüsse und Erdnussprodukte exportieren wird.

Erdnussproduktion in der Schale, in 1.000 mt

Land

2021/22

2022/23

Diff.

China

18.000

18.150

0,8%

Indien

6.800

7.000

2,9%

Nigeria

4.230

4.500

6,4%

USA

2.898

2.840

-2,0%

Senegal

1.680

1.700

1,2%

Argentinien

1.278

1.250

-2,2%

Indonesien

960

950

-1,0%

Brasilien

718

750

4,5%

Ghana

422

470

11,4%

Vietnam

400

388

-3,0%

Andere

13.212

12.721

-3,7%

Gesamt

50.598

50.719

0,2%

Quelle: INC, Juli 2022

Indiens Exporte nach China steigen

In Indien hat die Ernte in den vergangenen Jahren stetige Steigerungen erfahren und auch in diesem Jahr rechnet der INC mit einer höheren Produktion als im Vorjahr – die aktuelle Schätzung liegt bei 7 Mio. mt. Dass die Steigerung diesmal nur rund 3% beträgt, liegt vor allem daran, dass viele Erzeuger zu profitableren Produkten wie Baumwolle oder Soja gewechselt haben. Das USDA geht dennoch davon aus, dass die größere Ernte auch zu stärkeren Exporten, vor allem nach China, führen wird. In Indien selbst wird vor allem Erdnussöl konsumiert.

Die indischen Erdnusspreise sind im Vergleich zu letzter Woche leicht gestiegen, was Marktteilnehmern zufolge an einer höheren Nachfrage aus dem Ausland liegt. Die neue Ernte aus Uttar Pradesh hat eine dunklere Farbe als üblich, weshalb die internationalen Käufer hier wenig Interesse zeigen und die Ware hauptsächlich auf den indischen Mandis angeboten wird.

Erdnusspreise

Sorte

USD/mt

Bold, 40-50

1.325

Bold, 50-60

1.290

Bold, 60-70

1.275

Java, 50-60

1.390

Java, 60-70

1.320

Java, 70-80

1.310

FOB Indien, nicht-EU-Qualität

US-Exporte sind rückläufig

In den USA kam es zu Verzögerungen bei der Aussaat und auch die Anbaufläche fällt kleiner aus als im Vorjahr. Letzteres ist vor allem den guten Preisen für Baumwolle geschuldet, die viele Erzeuger zum Wechsel veranlasst haben. Die Experten von The Peanut Grower berichten, dass Marktteilnehmer mit einem Rückgang der Anbaufläche von 5% sprechen, während einige Analysten sogar von bis zu 10% ausgehen. The Peanut Grower berichtet zudem, dass sich der US-Inlandsverbrauch verringert hat. Dies ist zum einen der Sommer-Reisezeit zuzuschreiben, zum anderen einem landesweiten Rückruf aufgrund von Salmonellen, der viele Endverbraucher misstrauisch gestimmt hat. Auch die Exporte zeigen sich rückläufig: Wie das USDA berichtet, wurden im Zeitraum Januar-März 2022 insgesamt 322.679 mt US-Erdnüsse verschifft, im entsprechenden Zeitraum 2021 waren es knapp 19% mehr. Der wichtigsten Käufer bleibt Mexiko, gefolgt von Kanada, den Niederlanden, Japan und Großbritannien. Chinas Importe von US-Erdnüssen sind um knapp 60% gesunken, die Experten vermuten, dass dies an den günstigeren Preisen für indische Ware liegt.

Weitere Informationen:
Preischart Erdnüsse, mit Haut, 40/50, Bold, Indien
Preischart Erdnüsse, mit Haut, 50/60, Java, Indien
- weitere Preischarts

Dies könnte Sie ebenfalls interessieren

zur Nachrichten-Übersicht
Nüsse
23.09.2022
ORDU. Während die TMO weiterhin mit Hochdruck Haselnüsse aufkauft, wird wild über die nächsten Schritte von Ferrero spekuliert. Die Exporteure sind verärgert über die Banken in der Türkei, und in Italien schlagen die Erzeuger Alarm.
Ölsaaten
22.09.2022
CHRUDIM. Sind die Monate zwischen neuer Ernte und dem Jahreswechsel üblicherweise mit die aktivsten im tschechischen Blaumohnmarkt, so war es in den vergangenen Wochen ungewöhnlich ruhig. Derweil legten Deutschlands Importe zum Ende der Saison noch einmal etwas zu.
Ölsaaten
22.09.2022
NEU-DELHI. Die anhaltenden Regenfälle in Gujarat bereiten den indischen Erzeugern weiterhin Sorge. Gute Inlandsnachfrage vor den Feiertagen nächsten Monat lassen derweil auch die Exportpreise steigen.
Ölsaaten
22.09.2022
SOFIA/KYIV. Coceral hat diese Woche seine aktualisierte Prognose für die EU-Sonnenblumenkernernte veröffentlicht. Gegenüber den Mai-Schätzungen wurden die Erwartungen um knapp 16% reduziert.