Corona-Pandemie verschlechtert Exportklima der Ernährungsindustrie

1. Juli 2020 um 08:24 , Der AUDITOR
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BERLIN. Die Corona-Pandemie belastet seit März die deutsche Wirtschaft heftig. Nicht ausgenommen davon ist die Ernährungsindustrie. Welche Auswirkungen Corona für die exportierende Ernährungsindustrie bisher gehabt hat, dieser Frage ging die Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE) nach. Die Umfrage dazu hat die AFC Management Consulting durchgeführt.

Das Exportklima, basierend auf Einschätzung zur aktuellen Geschäftslage plus Geschäftserwartung für die nächsten 6 Monate, war von starken Einbußen gekennzeichnet und hat das Stimmungsbarometer um 41 Prozentpunkte eingetrübt. Dies war der stärkste Rückgang seit Beginn der Erhebungen. Nach Einschätzung der Unternehmen wird die Pandemie auch in den nächsten sechs Monaten das Exportgeschäft beeinflussen. Gut 36 % der Exporteure erwarten rückläufige, nur 20 % steigende Absätze.

Corona-Folgen für Geschäftslagen und -erwartungen
Dieser negative Trend spiegelt sich in unterschiedlicher Intensität in allen Teilbranchen der Lebensmittelindustrie wider. Insbesondere die Branchen Bier mit Verschlechterung der Geschäftslagen auf den Auslandsmärkten um 57, bei Fleisch um 36, bei Fleisch- und Wurstwaren um 23 und bei Molkereiprodukten um 19 Prozentpunkte, verzeichnen die schlechtesten Geschäftslagen. Zu den Branchen, welche Ihre aktuelle Geschäftslage deutlich positiver einschätzten als andere, zählten die Backindustrie mit um 36 und die Obst- und Gemüseverarbeitung mit 15 Prozentpunkten positiveren Bewertungen. Die Geschäftserwartung bei den Auslandsmärkten in den kommenden sechs Monaten zeigt einen ähnlich negativen Trend wie die Geschäftslage. Dies liegt daran, dass Exportleiter die Folgen der Corona-Krise wirtschaftlich nicht in Gänze einschätzen können. Vor allem die Branchen der Süßwaren bleiben mit um 20, die der Brauereien mit um 18 Prozentpunkten schlechteren Bewertungen zurück. Dies führen die Hersteller auf geringeren Auslandstourismus und Reiseverkehr mit Blick auf die Ferienzeit zurück. Überwiegend positive Geschäftserwartung hegen die Branchen bei Pflanzenölen mit um 23, bei alkoholfreien Getränken um 21 Prozentpunkten besseren Erwartungen. Dies ist damit zu erklären, dass in den anstehenden Sommermonaten vor allem leichte Kost, wie Salate und Gemüse, konsumiert werden und die Nachfrage nach alkoholfreien Getränken in den Sommermonaten ansteigt, so die Umfrageergebnisse von AFC Management Consulting.

Gewinner und Verlierer beim Exportklima
Ein weiterer Parameter, der Index zum Exportklima, sank über alle Branchen hinweg um 42 Prozentpunkte. Beiden den Branchen Bier sank der Index um 39, bei Fleisch um 17, bei Fleisch- und Wurstwaren um 15 sowie bei Süßwaren um 14 Prozentpunkte. Den größten Einbruch des Exportklimas weist jedoch die Branche der Molkereiprodukte mit Verschlechterung um 58 Prozentpunkte auf. Branchen mit großem Exportanteil ihrer Produkte in Asien und Südeuropa zeichnen im ersten Halbjahr 2020 ein pessimistisches Stimmungsbild im Bereich des Exports. Überwiegend positive Stimmen kommen dagegen aus den Branchen der Backwaren mit um 20 und bei alkoholfreien Getränken mit um 17 Prozentpunkten besseren Bewertungen. Über 78 % der Gesamtexportmenge der deutschen Ernährungsindustrie wird im EU-Binnenmarkt abgesetzt. Die höchsten Absatzerwartungen werden für die Länder Niederlande und Polen erwartet, geringere dagegen nach Italien und Frankreich. Insbesondere in Italien, wo früh strenge Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie eingeleitet wurden, gab es weitreichende Konsequenzen für den deutschen Export. Der Exportindikator der deutschen Ernährungsindustrie ist ein Folgeformat des Exportbarometers und wird im Auftrag der BVE von der Beratungsgesellschaft AFC Management Consulting erstellt. Deutschland ist der weltweit drittgrößte Exporteur von Lebensmitteln. Insgesamt rechnen die genannten Branchen mit einer Verschlechterung um 9 Prozentpunkte zum Vorjahr. Die positivsten Absatzerwartungen für 2020 in Drittländer werden für die Volksrepublik China und die Ukraine, für Vietnam und Schweiz gleichbleibend, für Russland und USA dagegen rückläufig erwartet.

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