China reagiert auf Warnungen zum G4-Schweinegrippe-Virus verhalten

7. Juli 2020 um 15:19 , Der AUDITOR
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SHANGHAI/FRANKFURT. Chinesische Forscher warnten Ende Juni vor einer neuen Variante der Schweinegrippe, die potenziell auf Menschen überspringen könnte. Chinesische Schweinehalter zeigten erhöhte Viruskonzentrationen in ihrem Blut. Die Forschergruppe fordert systemische Überwachungen. Nun nimmt Chinas Regierung dazu direkt Stellung.

Chinesische Forscher warnten Ende Juni vor einer neuen Variante der Schweinegrippe, die potenziell auf Menschen überspringen könnte. Der sogenannte „G4“ -Stamm von H1N1 würde „alle wesentlichen Merkmale eines Kandidaten für ein Pandemievirus“ aufweisen, berichtete die US-Zeitschrift Proceedings. Das H1N1-Virus, bekannt als Schweinegrippe, löste 2009 eine weltweite Pandemie mit 285.000 Sterbefällen, titelte kürzlich die New Times. Untersuchungen in Schweinebetrieben verschiedener chinesischer Provinzen zeigten auch erhöhte Viruskonzentrationen in ihrem Blut, so dass eine genaue Überwachung der menschlichen Bevölkerung, insbesondere der Beschäftigten in der Schweineindustrie, dringend durchgeführt werden sollte, mahnten die Experten. Die Wissenschaftler befürchten Parallelen zum Corona-Virus. James Wood, Leiter der Abteilung für Veterinärmedizin an der Universität Cambridge, warnte, dass Menschen ständig dem Risiko des erneuten Auftreten zoonotischer Krankheitserreger, wie auch dem Coronavirus, ausgesetzt sind und Nutztiere als wichtige Quelle dienen könnten.

Chinas Ministerium verweist auf zu geringe Stichprobenzahl
Das chinesische Landwirtschaftsministerium sagte jetzt in einer Erklärung, dass die Studie von den Medien „übertrieben und nicht sachlich" interpretiert wurde. Eine Analyse des Ministeriums kam zu dem Schluss, dass die Stichprobe der veröffentlichten Studie zu klein wäre, um repräsentativ zu sein, während der Artikel keine ausreichenden Beweise dafür lieferte, dass das G4-Virus auch der dominierende Stamm der Schweinegrippe unter Schweinen geworden ist. Chinas Ministerium habe Schlussfolgerungen gezogen, nachdem mit chinesischen Tierärzten, Virologen und führenden Autoren der PNAS-Studie ein Seminar zu diesem Thema abgehalten wurde. Konsens wäre dabei, dass der G4-Stamm nicht neu wäre und eine Belastung seit 2011 kontinuierlich von der Welt-Gesundheitsorganisation (WHO) und Stellen Chinas selbst überwacht würde. Darüber hinaus wären sich die Autoren der PNAS-Studie einig, dass sich das G4-Virus nicht effektiv im menschlichen Körper repliziert und Krankheiten verursacht. Die Erklärung des chinesischen Ministeriums wurde von Yang Hanchun verfasst, einem Wissenschaftler für Schweineviruskrankheiten an der China Agricultural University, der auch als Experte in einem Anti-Epidemie-Ausschuss des Ministeriums fungiert. Die Aussagen bleiben wieder einmal wenig konkret. Ob die Sichprobe der veröffentlichten Studie nach Meinung Pekings zu klein ist, um ein Risiko zu relativieren, muss erst einmal dahingestellt werden. Es bleibt also spannend, welche Reaktionen Pekings Erklärung auslösen wird. Dies insbesondere nach den Erfahrungen im Umgang mit dem Corona-Virus, hieß es.  

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