Beherbergungsgewerbe: Geteilte Zuversicht in der Branche

15. Juli 2020 um 14:48 , Der AUDITOR
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FRANKFURT/MÜNCHEN. Die Folgen der Corona-Krise in Deutschland durch den Lockdown waren für das Beherbergungsgewerbe im März, April und Mai katastrophal, als die Nachfrage quasi komplett wegfiel. Nun scheint sich die Lage im Juni und erst recht im Juli mit der Urlaubssaion zu verbessern. Doch es gibt auch hier Gewinner und Verlierer dabei, wie das ifo-Institut feststellte. Mehr dazu im Beitrag.

Die Folgen der Corona-Krise in Deutschland durch den Lockdown waren für das Beherbergungsgewerbe im März, April und Mai katastrophal, als die Nachfrage quasi komplett wegfiel. Gut 89 % der Hoteliers gingen im April davon aus, den Umsatzrückgang nie wieder aufholen zu können. Nur 11 % hofften auf eine teilweise Kompensierung zum späteren Zeitpunkt. Erfahrungen aus früheren Krisen haben gezeigt, dass sich der Tourismus meist vergleichsweise schnell erholt.

Übernachtungen in Feriengebieten steigen wieder
Seit der Wiedereröffnung im Laufe des Monats Mai dürfte sich die Lage besonders in Unterkünften der Ferienregionen verbessert haben, da mehr deutsche Touristen als sonst ihren Urlaub im Inland verbringen wollen. Für Betriebe in Städten bleibt die Situation jedoch sehr angespannt. Das Messe-, Kongress und Veranstaltungsgeschäft, das für die Stadthotellerie hohe Bedeutung hat, wird noch auf längere Zeit entfallen oder in reduziertem Umfang stattfinden, dies erwarten zumindest Experten des ifo-Instituts. Zugleich ersetzen viele Unternehmen Geschäftsreisen durch alternative Formen des Informationsaustauschs. Nach einer Konjunkturumfragen im Juni bestätigten 57 % der befragten Unternehmen, ihre Geschäftsreisen als Folge der Coronakrise dauerhaft einzuschränken. Die Zahl der Insolvenzen im Beherbergungsgewerbe dürfte in den kommenden Monaten steigen, so das ifo-Institut. Viele Betriebe kämpfen um das wirtschaftliche Überleben und den Erhalt der Arbeitsplätze.

Hygieneauflagen und Abstandsgebote treiben Kosten in die Höhe
Die vielfältigen Hygieneauflagen treiben die Kosten in die Höhe und in einigen Bereichen wie der Gastronomie entstehen durch die Einhaltung der Abstandsgebote erhebliche Kapazitätseinbußen, so dass deutlich weniger Gäste bewirtet werden können. Hier setzt das Konjunkturpaket der Bundesregierung an. Neben Überbrückungshilfen zur Sicherung der Existenz von kleinen und mittelständischen Unternehmen, bieten die temporär befristete Senkung der Mehrwertsteuer von 19 auf 16 % bzw. 7 auf 5 % für Speisen in der Gastronomie Möglichkeiten für die Branche, ihre finanziellen Belastungen abzumildern. 

Geteilte Zuversicht in der Branche
Die Erwartungen an die Geschäftsentwicklung in den kommenden Monaten sind jedoch von mehr Zuversicht geprägt, so dass ihre Beurteilung durch die Beherbergungsbetriebe im Juni 2020 deutlich besser ausfiel. So hat sich mit Wiedereröffnung und dem Start in die Sommersaison ein Silberstreifen am Horizont gezeigt. Um den Aufschwung in den kommenden Monaten voranzutreiben, wird die richtige Preispolitik zum zentralen Steuerelement. Im Juni 2020 zeigten sich die Betreiber von Beherbergungsunternehmen wieder zuversichtlicher, ihre Zimmerpreise anheben zu können. Gleichzeitig besteht die Gefahr, dass in der Stadthotellerie versucht wird, die Zimmerauslastungen über Preissenkungen zu steuern. Den Königsweg hierbei finden, ist die Qual der Wahl.

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