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Mandeln: Schleppende Nachfrage trübt die Stimmung

29. September 2022 um 09:41, Der AUDITOR
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MADRID/SACRAMENTO. Spaniens Mandelernte geht voran, die Erträge lassen jedoch zu wünschen übrig. Auch in Bezug auf die Nachfrageentwicklung zeigen sich Marktteilnehmer unzufrieden.

Enttäuschende Sommerexporte

In Spanien läuft die Mandelernte weiterhin auf Hochtouren und immer wieder hört man Klagen von Seiten der Erzeuger, dass die Erträge aufgrund des Frosts im Frühjahr und der Trockenheit des Sommers stark gelitten hätten. Marktteilnehmer zeigen sich indes unzufrieden mit der Nachfrageentwicklung über die Sommermonate und auch die Aussichten für die kommenden Monate sind aufgrund der geopolitischen Situation und der Energiekrise nicht rosig.

Spaniens Mandelexporte fielen im Juli zurück, liegen insgesamt aber noch immer deutlich über dem Vorjahresergebnis. Im Juli wurden 10.290 mt Mandeln aus Spanien exportiert, ein Rückgang um 8% gegenüber dem Vorjahresmonat (Juli 2021: 11.202 mt). Hauptabnehmer in diesem Monat waren Deutschland (-4% auf 2.491 mt), Frankreich (-11% auf 2.021 mt) und Italien (-18% auf 1.447 mt), weitere Abnehmerländer waren Großbritannien (-33% auf 431 mt) und die Türkei (+676% auf 427 mt).

Insgesamt kommen die Exporte dieser Saison auf bislang 148.478 mt (+8% ggü. Vj.). Frankreich hat sich in der Saison 2021/2022 zum Hauptabnehmer für spanische Mandeln entwickeln, das Land importierte 34.806 mt und damit fast ein Fünftel mehr als im Jahr davor. Deutschland rutschte derweil auf den zweiten Platz, auch wenn die Einfuhr im Jahresvergleich ebenfalls um 6% auf 30.736 mt gestiegen ist. Ein weiterer wichtiger Abnehmer ist Italien mit rund 24.835 mt (+3%), gefolgt von Großbritannien (-25% auf 6.214 mt), Belgien (+16% auf 5.549 mt) und den Niederlanden (-7% auf 5.053 mt). 

Mandelexport, Spanien, in mt

Land

2020/21

2021/22

Diff.

Frankreich

29.164

34.806

19,3%

Deutschland

28.962

30.736

6,1%

Italien

24.111

24.835

3,0%

Großbritannien

8.226

6.214

-24,5%

Belgien

4.772

5.549

16,3%

Niederlande

5.458

5.053

-7,4%

Polen

4.564

4.821

5,6%

Portugal

4.000

4.764

19,1%

USA

3.230

3.032

-6,1%

Türkei

578

2.744

374,9%

Andere

24.502

25.923

5,8%

Gesamt

137.566

148.478

7,9%

Quelle: Spanisches Ministerium für Industrie, Tourismus und Handel; 01.08.2021-31.07.2022

Preise ziehen an

Langsam kommen die höheren Preise auch im europäischen Markt gänzlich an, bislang gab es immer noch Händler, die sowohl für spanische als auch für kalifornische Mandeln vergleichsweise niedrige Preise verlangten. So kosten spanische Valencias, 12/14 mm aktuell mindestens 4,50 EUR/kg FCA Spanien und die Carmel- sowie Nonpareil-Sorten sind im europäischen Spotmarkt gegenüber der Vorwoche noch einmal bis zu 0,20 EUR/kg teurer geworden. 

Mandelpreise

Type

EUR/kg

Valencia, 12/14 mm, natur, Spanien

4,50-4,60

Valencia, +14 mm, natur, Spanien

4,70-4,80

Nonpareil, Extra Nr. 1, 23/25, USA

6,35

Carmel, SSR, 23/25, USA

4,80

FCA Spanien

Indien hält Importe aufrecht

Trotz Inflation, Währungsverlusten und anhaltenden Lieferschwierigkeiten im internationalen Markt gehen Experten davon aus, dass Indiens Nachfrage nach Mandeln kaum beeinträchtigt werden dürfte. Der lokale Foreign Agricultural Service (FAS) des USDA schätzt Indiens Mandelimporte für die Saison 2022/2023 auf 148.000 mt, eigene offizielle Daten des USDA liegen hier noch nicht vor. Das wäre ein minimaler Rückgang gegenüber dem Vorjahr (2021/2022: 149.000 mt). Indien selbst erntet im Schnitt gerade einmal 4.500 mt Mandeln pro Jahr und ist auf Importe angewiesen, um den einheimischen Bedarf bedienen zu können. Dieser wird für die Saison 2022/2023 sogar auf 155.000 mt geschätzt. Wenig überraschend ist derweil, dass Indien in der Saison 2021/2022 mit 125.359 mt rund 84% seiner Mandelimporte aus den USA bezog, gefolgt von Australien (12.360 mt) und den Vereinigten Arabischen Emiraten (4.966 mt). 

„Vegane“ Mandeln aus Australien?

Australische Mandelbauern versuchen sich derweil an Methoden, um zukünftig nicht mehr ausschließlich auf Bienen zur Bestäubung ihrer Plantagen angewiesen zu sein. Ein solches Versuchsfeld befindet sich in Merbein South im australischen Bundesstaat Victoria und ist etwa 9 ha groß und trug nach sieben Jahren nun das erste Mal Früchte. Jede zweite Reihe wurde mit selbstbestäubenden Mandelbäumen der Sorte Mira bepflanzt, die anderen mit einer klassischen auf Kreuzbestäubung angewiesenen Sorte.

Eine Entscheidung, die nicht nur wirtschaftliche Gründe hat. Steigende Preise für den Verleih von Bienenvölkern sind ein Aspekt, gleichzeitig ist der Verkehr von Bienenvölkern aus New South Wales in andere australische Bundesstaaten verboten worden, nachdem dort im Juli Schädlinge entdeckt worden waren. Dennoch seien den Erzeugern zufolge weiterhin Bienen nötig, um eine Plantage dieser Größe abdecken zu können, aber eben deutlich weniger als sonst.

Für mehr Informationen gehen Sie zu:
Preischart für Mandeln, natur, +14, Valencia
Preischart für Mandeln, natur, 12/14 mm, Valencia
Preischart für Mandeln, blanchiert, 27/30, California SSR
weitere Preischarts

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Dateisymbol
Preischart Mandeln, natur, California, USA
Dateisymbol
Preischart Mandeln, Valencia, natur, 12-14, Spanien

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