Kostenfrei

China: Hohes Marktpotenzial für Nüsse

9. Oktober 2026 um 08:00 , Der AUDITOR
Bericht als Audio abspielen

PEKING. Wie aus dem „Tree Nuts Annual“ für China des Foreign Agricultural Service des US-Landwirtschaftsministeriums (USDA) hervorgeht, wird das Land auch weiterhin einer der weltweit führenden Märkte für Baumnüsse bleiben. Sich wandelnde Verbrauchergewohnheiten bieten neue Marktpotenziale inmitten eines schwierigen Handelsumfelds und hoher Kosten. Die Ausweitung der inländischen Produktion und wirtschaftliche Herausforderungen werden jedoch die Importnachfrage nach den meisten US-Baumnüssen im Wirtschaftsjahr 2026/2027 dämpfen, mit Ausnahme von Mandeln.

Handelsausschuss der USA und Chinas

Im Anschluss an das Treffen im September zwischen US-Präsident Donald Trump und Chinas Präsident Xi Jinping haben die beiden Länder den Handelsausschuss eingerichtet, der über gegenseitige Zollsenkungen auf das Niveau der Meistbegünstigungsklausel (MFN) der Welthandelsorganisation im Wert von jeweils 30 Mrd. USD für nicht sensible Produkte verhandeln wird. Während Mais, Weizen, Sorghum, Fleisch, Milchprodukte, Pflanzenöle und -schrote aus den USA davon profitieren könnten – mit der nennenswerten Ausnahme von US-Sojabohnen –, sind auch mehrere Nüsse in der vom Weißen Haus veröffentlichten chinesischen Importliste für US-Produkte aufgeführt.

Das Weiße Haus hat zwei Listen mit Importprodukten veröffentlicht, für die eine Senkung der gegenseitigen Zölle empfohlen wird. Die US-Importliste umfasst 77 Positionen mit Zolltarifnummern für chinesische Produkte und die China-Importliste 1.619 Positionen mit Zolltarifnummern US-Produkte. Letztere umfasst Paranüsse, Cashews, Mandeln, Haselnüsse, Walnüsse, Pistazien und Macadamias. Pekannüsse sind in dieser Liste nicht enthalten, da China eine Antidumpinguntersuchung gegen Importe aus den USA und Mexiko eingeleitet hat, deren Abschluss vor dem 25. März 2027 erwartet wird.

Dies wird im „USDA FAS Tree Nut Annual“ für China hervorgehoben, der zudem aufzeigt, dass US-Baumnüsse deutlich höheren angewandten Zöllen unterliegen als Importe aus anderen Herkunftsländern. Während für die meisten US-Baumnüsse Zölle in Höhe von 30-50 % gelten, werden auf Importe aus Australien, Chile und den ASEAN-Ländern keine Zölle erhoben. Eine Rückkehr zu den Meistbegünstigungs-Zollsätzen von 7-25 % würde einen großen Unterschied machen. 

Walnuss-Exporte sollen in der Saison 2026/2027 leicht steigen

Bei chinesischen Walnüssen rechnet die FAS mit einem Produktionsanstieg um 7% auf 1,6 Mio. mt im Vergleich zu den 1,5 Mio. mt des Vorjahres, was den aktuellen Schätzungen des International Nut and Dried Fruit Council entspricht, die im Juli veröffentlicht wurden. Günstige Wetterbedingungen haben zudem zu einer größeren Ernte und größeren Nüssen in der Provinz Yunnan geführt, auf die rund 40% der chinesischen Produktion entfallen.

Die Preise liegen unter dem Vorjahresniveau, wobei die Spanne je nach Qualität größer ausfällt, da das Angebot an hochwertigen Kernen begrenzter ist. Es wird erwartet, dass die Importe in der Saison 2026/2027 weiterhin begrenzt bleiben werden, da die inländische Produktion seit 2012 stetig steigt. Im Wirtschaftsjahr 2025/2026 importierte China 1.888 mt Walnüsse in der Schale, hauptsächlich aus Australien und den USA. Darüber hinaus machen Walnüsse mehr als 80% der chinesischen Baumnuss-Exporte aus und dürften 2026/2027 leicht ansteigen, ungeachtet höherer Transportkosten. Chinas Hauptabnehmer sind der Nahe Osten, die Türkei, Zentralasien und Nordafrika. Die Exporte von geschälten Walnüssen weißen einen rapideren Anstieg auf als die von Walnüssen in der Schale, wobei West- und Zentralasien sowie Europa die Hauptabnehmer sind. 

Australien hat ein Quasi-Monopol auf Mandeln

Die FAS hebt zudem hervor, dass die geringere Anbaufläche in der wichtigsten Anbauprovinz Xinjiang dazu führen wird, dass Chinas Produktion von Mandeln in der Schale in der Saison 2026/2027 im Vergleich zum Vorjahr um 5% auf 21.000 mt zurückgehen wird. Tatsächlich ist die Anbaufläche seit 2021 um bis zu 60% geschrumpft, da sich der Fokus weg von der Expansion hin zu Produktivität und Effizienz verlagert hat.

China ist nach Indien und der EU der drittgrößte Mandelimporteur der Welt und bezieht seine Lieferungen hauptsächlich aus Australien - von dort kamen 2025 bis zu 95% der chinesischen Mandelimporte. Ein bilaterales Freihandelsabkommen hat es dem Land ermöglicht, die USA seit der Saison 2024/2025 als wichtigsten Handelspartner zu überholen. Dennoch dürften sich die Lieferungen aus den USA etwas erholen, obwohl höhere Zölle den direkten Handel einschränken. 

Hohe Preise drücken Pistazienimporte

Chinas Pistazienproduktion ist aufgrund ungünstiger Wetterbedingungen auf rund 300 mt beschränkt. Versorgungsbedingte Preissteigerungen werden Chinas Pistazienimporte in der Saison 2026/2027 verringern. Die Branche rechnet damit, dass die weltweiten Pistazienpreise gegenüber dem aktuellen Niveau um 25-40% steigen werden, da weltweit mit einem Produktionsrückgang von 33% gerechnet wird. Chinesische Zolldaten zeigen, dass die Pistazienimporte des Landes im Jahr 2025 im Vergleich zu 2024 um fast 70% eingebrochen sind. Der Iran und die USA sind die Hauptlieferanten. China ist nach der EU, der Türkei und Hongkong der fünftgrößte Importeur, wie der Trade Data Monitor, LLC zeigt. 

Steigende Macadamia-Produktion belastet die Importe

China ist der weltweit führende Produzent von Macadamia-Nüssen; die diesjährige Ernte wird voraussichtlich um 12% auf 110.000 mt steigen, da die Bäume nun ihre volle Ertragsreife erreichen. Dies übertrifft die INC-Schätzung von 108.000 mt für Macadamias in der Schale mit einem Feuchtigkeitsgehalt von 3,5%. Die Anbaufläche ist auf rund 380.000 ha gewachsen, wobei die Provinz Yunnan im Süden Chinas 80% der Produktion ausmacht. Da die Wetterbedingungen oft ungünstig sind, entsprechen die Erträge nicht immer den Erwartungen. Ein strukturelles Problem besteht zudem darin, dass die Produktion von rund 200.000 kleinen Betrieben abhängt, die hauptsächlich in Bergregionen angesiedelt sind. Die Branche beginnt nun, sich stärker auf Standardisierung, Modernisierung und eine qualitativ hochwertige Entwicklung zu konzentrieren.

Im Gegensatz zu Mandeln, Pistazien und Pekannüssen sind die Importpreise für Macadamias in der Saison 2025/2026 gesunken, was hauptsächlich auf die seit Mai 2026 geltenden Nullzölle für afrikanische Produkte zurückzuführen ist. Angetrieben durch den Anstieg der inländischen Produktion dürften die Importe in der Saison 2026/2027 weiter zurückgehen. Südafrika ist Chinas wichtigster Lieferant, wird jedoch nicht in der Lage sein, die Ausfälle aufgrund der vorläufigen Antidumpingzölle auf Lieferungen aus den USA und Mexiko auszugleichen, die am 11. August 2026 in Kraft getreten sind. 

Haselnussproduktion soll steigen

Für chinesische Haselnüsse prognostiziert das Provincial Research Institute Liaoning einen Produktionsanstieg um 16% auf 100.000 mt, da viele junge Bäume nun ihre Reife erreichen und sich die Erträge verbessern. Der Schwerpunkt der Produktion liegt in den nordöstlichen Provinzen wie Heilongjiang, Liaoning und Jilin. 

Herausforderungen für Pekannüsse

Bei Pekannüssen wird erwartet, dass sich die Produktion im Vergleich zum Vorjahr auf 12.000 mt verdoppeln wird. Grund dafür sind günstigere Wetterbedingungen und die zunehmende Baumreife. Zwar erstreckt sich die Anbaufläche in den Provinzen Anhui, Jiangsu und Yunnan auf rund 80.000 ha, doch sind viele Bäume noch zu jung, um Erträge zu liefern. Hohe Bewirtschaftungskosten, eine Variantenfragmentierung und die Bekämpfung von Krankheiten stellen die Branche vor große Herausforderungen. 

China, Baumnuss-Produktion, in mt

Sorte

2025/26

2026/2027

Diff.

Walnüsse

1.500.000

1.600.000

7%

Macadamias

96.800

110.000

12%

Haselnüsse

84.000

100.000

16%

Mandeln

22.050

21.000

-5%

Pekannüsse

6.000

12.000

100%

Pistazien

300

300

0%

Quelle: China Tree Nuts Annual, 05.10.26

Hier lesen Sie den ganzen Bericht.

Dies könnte Sie ebenfalls interessieren

zur Nachrichten-Übersicht
Nüsse
08.10.2026
ORDU. In der Türkei wirft die große Kluft zwischen den Haselnusspreisen auf dem freien Markt und denen der TMO nach wie vor Fragen auf. Die TMO und Ferrero haben große Mengen abgelehnt. Auch die Nachfrage ist ein Thema.
Nüsse
07.10.2026
MANILA/HANOI. Die Preise für Kokosraspel auf den Philippinen bleiben stabil, während Kokosöl international erneut günstiger wird. El Niño könnte die Versorgung mit Kokosprodukten und damit die Preise 2027 merklich beeinflussen. Vietnams Kokosexporte in die USA legten im Jahresvergleich deutlich zu.
Nüsse
06.10.2026
SACRAMENTO. In Kalifornien hat die Walnussernte früher als üblich begonnen. Die Produktion wird geringer ausfallen als erwartet. In Spanien und Italien ist das Kaufinteresse vielversprechend.