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Erneute Schließung von Bäckerei-Cafés ist „bitter und unverhältnismäßig“

2. November 2020 15:15, Der AUDITOR
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Berlin. Der Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks kritisiert die erneute Schließung von Bäckerei-Cafés als unverhältnismäßig. Der zweite Lockdown mit wenig Augenmaß trifft vor allem diejenigen, die massiv in Hygienekonzepte investiert und sie auch eingehalten haben.

„Die erneute Schließung aller gastronomischen Einrichtungen ist bitter“, sagte Michael Wippler, Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Bäckerverbandes. Für viele Bäcker wäre das Café- und Snackgeschäft ein wichtiges Standbein, das nun erneut vollständig wegbrechen würde und Umsatzeinbußen je nach Betriebskonzept bis zu 90 Prozent zur Folge haben dürfte. Die wirtschaftlichen Probleme vieler Betriebe werden sich damit erneut verschärfen, so der Experte.

Lockdown trifft die Falschen
Viele Betriebe hätten massiv in Hygieneschutzmaßnahmen investiert, entsprechende Arbeits- und Verkaufskonzepte aufgestellt und sich vorbildlich verhalten. Die vergangenen Monate hätten gezeigt, dass von Bäckereicafés keine erhöhte Infektionsgefahr ausgehe. „Der angebliche Lockdown light trifft die Falschen“, ist auch Daniel Schneider, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbandes, überzeugt. Zwar unterstütze der Zentralverband jegliche wirkungsvollen Maßnahmen, um die zweite Infektionswelle zu brechen und die Corona-Pandemie nachhaltig einzudämmen. Doch die am Mittwoch beschlossenen Maßnahmen seien unangemessen und nicht verhältnismäßig. Der Verband werde prüfen, ob eine gerichtliche Prüfung sinnvoll und möglich erscheint, kündigt Schneider an.

Politik sollte endlich aus Fehlern lernen
Statt einseitig die Unternehmen zu belasten, ihnen mit Lockdown erneut die Existenzgrundlage zu entziehen, hätte man stärker in den Aufbau der Kontrollstrukturen investieren müssen. „Gesundheitsämter und Ordnungsbehörden personell stärken, um Infektionsketten nachvollziehbar zu machen, die Einhaltung der Corona-Regeln stärker zu kontrollieren und Verstöße konsequent zu bestrafen, hätte die drastische Entwicklung der Infektionszahlen verringern können“, kritisiert Schneider. Zudem wäre Zeit gewesen, eine umfassende Informations- und Motivationskampagne zu starten, um die teilweise zu beobachtende Sorglosigkeit und das Fehlverhalten einiger Bevölkerungsgruppen rechtzeitig zu stoppen. Diesen Vorschlag hatte der Zentralverband bereits vor Monaten gemacht. Die Politik müsse endlich aus den Fehlern der Vergangenheit lernen und gezielte Maßnahmen auf den Weg bringen, statt erneut gesamte Wirtschaftszweige lahm zu legen.

Bildung eines Rettungsfonds angemahnt
Die zugesagte Soforthilfe des Bundes begrüßt der Zentralverband zwar, denn nur so können die erlittenen Umsatzverluste ein Stück weit abgefedert werden. Allerdings bleibt zu befürchten, dass diese Hilfe nicht alle Betriebe erreicht und sie nicht ausreichen könnten, um ein wirtschaftliche Schieflage zu vermeiden. Die Bildung eines Rettungsfonds für die stark gebeutelten Branchen sowie weitere konjunkturelle Anreize müssten daher in einem weiteren Schritt folgen, fordert Schneider.

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